BEWERTEN
 

Nina Nastasia

»On Leaving«

[Fat Cat / Pias / Rough Trade / VÖ: 08.09.2006 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Es gibt Vokalisten, bei denen man die Luft anhält, sobald ihre Stimme einsetzt. Zu ihnen zählen Sängerinnen wie Julie Doiron, Diane Cluck und eben auch Nina Nastasia, der John Peel kurz vor seinem Tod bescheinigte, dass ihre Musik bezaubernd sei. All diesen Sängerinnen ist gemeinsam, dass ihrer Stimme nichts Artistisches anhaftet – also keinerlei Björk-Ambitionen –, sondern dass gerade der klare, wenige Tonhöhen umfassende Einsatz der Stimme für angenehme Schauder sorgt. Darum sind erwähnte Sängerinnen bislang auch klug genug gewesen, ihren Gesang nur spärlich zu instrumentieren. Wo Nina Nastasia sich nicht alleine mit Gitarre begleitet – und das kann sie so gut wie Joni Mitchell round about 67 –, setzen Violine, Klavier und Schlagzeug nur spärliche Akzente, bleiben aufs Notwendige beschränkt.

Selten durchkreuzen Melodiebögen den Gesang, der an sich schon genug aufbringt, um volle Präsenz bei geringer Lautstärke zu erzeugen. Produzent Steve Albini hat all sein Wissen und Können in die Waagschale geworfen, was in diesem Fall heißt: Alles nur Denkbare wurde zurückgenommen. So ist ein lupenreines Folk-Album entstanden, das es nicht nötig hat, aus Hipness-Gründen mit Zusätzen wie “Anti-”, “Neo-” oder “Weird-” versehen zu werden, da hier nichts anti, neo oder weird ist. Großartige, unauffällige Musik!



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