BEWERTEN
 

The Long Winters

»Putting The Days To Bed«

[Munich / Indigo / VÖ 08.09. / VÖ: 08.09.2006 ]

Text: Frank Schuster, Frank Schuster

Eine ewige Diskussion unter Indie-Fans, die sich vortrefflich – am besten in einer Kneipe, nach ein Uhr, unter Einwirkung diverser Alkoholika – bis ins Unendliche weiterführen ließe: Ist britischer Pop nicht meist ziemlich aufgesetzt, künstlich, campy, trendig oder was auch immer – und nimmt man dagegen einer Gruppe amerikanischer Jungs mit Gitarren nicht eher ab, dass das, was sie machen, irgendwie “ehrlich” ist? Natürlich ist das Quatsch. Und man kann für beide Seiten genügend Ausnahmen ins Feld führen. Doch beim Hören von The Long Winters ist der – erfrischende – Eindruck: Die scheren sich einen Dreck um Moden, Hypes und Retro-Phänomene und machen einfach ihr Ding, wie sie das vermutlich schon zu Hause in den Garagen oder Kellern ihrer Eltern, irgendwo in der US-amerikanischen Provinz, wo sie als Teenager aufwuchsen, gemacht haben.

(Dass die Band um Sänger und Texter John Roderick aus Seattle kommt – Grunge-Hype? welcher Grunge-Hype? –, ist eigentlich egal.) Das meint nicht, dass sie einen irgendwie “zeitlosen, klassischen Gitarrenrock” kreieren, dafür sind die Songs zu gebrochen, arty, spielen zu sehr mit Elementen aus Sixties-Underground oder Punk; aber sie zitieren diese nicht bloß um des Zitierens willen, sie fließen einfach ein, weil man heute, im Jahr 2006, nicht so ohne Weiteres eine Gitarre in die Hand nehmen kann, um so zu tun, als habe es dies alles nie gegeben. Klasse Platte. Und schön, dass das niederländische Munich-Label für den europäischen Markt noch vier Bonustracks dranhängt, auf denen die Band weniger abrockt und mehr auf Singer/Songwriter-Level entschleunigt.



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