BEWERTEN
 

Grizzly Bear

»Yellow House«

[Warp / Rough Trade / VÖ: 01.09.2006 ]

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Warp zeigt mit dem Signing Grizzly Bear seine Sympathien für fusselbärtigen Neo-Artrock. Dabei hat Papa-Bär Edward Droste überhaupt keinen Bart, dafür aber ein sicheres Händchen für Songs, in denen bei jedem Ton verzauberte Erinnerungen wach werden. “Horn Of Plenty”, das Debüt, welches Ende 2004 auf dem US-Label Kanine Records erschien, wurde damals nicht ganz unpassend als “Freak-Folk” gefeiert und durch Remixe von so illustren Leuten wie Final Fantasy, Safety Scissors, Dntel oder Soft Pink Truth geadelt. Auch “Yellow House”, im letzten Sommer in Drostes Elternhaus von der inzwischen zum Quartett angewachsenen Band aufgenommen, ist voller magischer Momente und hat einiges zu bieten: leise, zurückhaltende Lo-Fi-Momente, flüchtige Geräusch-Kulissen, Flöten, Streicher und Xylofon, mehrstimmigen Harmonie-Gesang, massive Gitarrenwände oder zartes Folk-Picking auf Gitarre und Banjo.

Oder den Geist einer brüchigen, alten Piano-Melodie, der einem auf einem Song wie “Marla” entgegenweht, und zwar aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (das Stück, ein langsam schleppender Walzer, stammt angeblich aus den 30er-Jahren von Drostes Tante). Seltsame, verschrobene Melodien, die klingen wie die Beach Boys auf Pilzen (“The Knife”), wechseln sich ab mit psychedelisch angehauchtem, vielstimmigem Chorgesang (“Lullabye”). “Yellow House” ist eine Platte, die eigentlich nach Wald, Moos und Tannenzapfen riechen müsste, nach verstaubten Dachböden mit geheimnisvollen Truhen oder einem verlassenen Haus, durch dessen Räume voller verhängter Möbel und Bilder ein leiser Wind weht. Ein wirklich experimentierfreudiges Album voller großartiger, klassischer Momente und damit eine Platte, die sich etwas traut und so ständig weiter wächst.



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