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The Fine Arts Showcase & Denison Witmer

»Radiola & Are You A Dreamer?«

[Stickman / Indigo & Bad Taste / Soulfood]

Text: Henrik Drüner, Henrik Drüner

Christian’s little brother just discovered Pop’n’Folk. Bei den Kjellvanders ging es schon immer sehr musikalisch zu, die Nachbarn erinnern sich. Akustikgitarren und Jünglingsgesang bis tief in die Nacht. Doch während Christian unter seinem Namen neben Kristofer Aström die Fahne des melancholischen Schweden hochhält, muss sich Gustaf erst noch beweisen. Dabei veröffentlichte er mit der Band Sideshow Bob bereits zwei Alben und gemeinsam mit dem großen Bruder als Songs Of Soil auch eine Singer/Songwriter-Platte. Vielleicht ist jetzt seine Zeit gekommen: “Radiola” unter dem Namen The Fine Arts Showcase kommt einem Mix-Tape gleich, das zeitlos schöne, sehnsüchtige Popstücke aneinander reiht. So abwechslungsreich, dass die Spannung bleibt, so kontinuierlich, dass keine Brüche entstehen. Alles vorgetragen in perfektem Englisch, bedingt durch zehn Jahre Seattle-Sozialisation als Kind und den aktuellen Wohnort London. “Chemical Girl” zeigt sich großzügig schwelgerisch, “Brother In Black” grummelt in düsteren Tiefen (Tocotronics “Neues vom Trickser” umgemodelt?), “Frida And I” erinnert mit gehämmerten Klavier-Achteln an Pulp, “Laughter” an den leichten Folk-Einschlag eines Leonard Cohen. Dazu starrt dem Hörer ein blässlicher Mittzwanziger vom Cover direkt in die Augen, als wolle er die Aussagekraft der Songs verstärken, deren Intensität verdeutlichen.


Im Vergleich dazu klingt “Are You A Dreamer?” von Denison Witmer unaufdringlich – gleichwohl von besten Songwriter-Qualitäten beschenkt. Einzelne Songs sind schwer hervorzuheben, da Philadelphia-Boy Witmer sie alle recht ähnlich intoniert. Es ist ein stetig fließender Strom an Sentimentalität und Introvertiertheit, der den gefühlvollen, spartanisch arrangierten Folksongs den Weg bahnt. Da steckt im positiven Sinne kein Druck hinter. Alles unglaublich nett und entspannt. Träume inspirierten womöglich das Album, bleiben aber letztlich nur ein Aufhänger für Texte und Grundstimmung. Banjo-Töne von Unser-aller-Liebling Sufjan Stevens durchziehen den Opener “Little Flowers”, unterlegt von Karen Peris’ Backgroundgesang. “Ringing Of The Bell Tower” bekommt etwas rhythmischen Halt durch das Schlagzeug, und auch der Titelsong holt aus allen Beteiligten das Beste, sicher nicht das Letzte heraus. Wenn Witmer auf der Suche gewesen sein sollte, dann ist er angekommen.



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aus Intro #142 (September 2006)
 
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