The Camping Group
»So wie wir heute dastehn«
[Pavlek Schallplatten / Hausmusik]
Text:
Sandra Grether,
Sandra Grether
“Wir stehn am Abgrund / Sind wie Trabanten / Schmeißen Sachen runter / Die wir auf dem Weg her fanden ...” Hoppla, auf dem Debütalbum dieser Trabanten, die sich The Camping Group nennen, gibt es jede Menge erhellende Sounds, Stücke, Songfragmente für die Zeit jenseits des Zeitgeistes – und den dabei erfassend und, yeah, überholend. Das alles wunderbar locker formuliert von “Master of Ceremony” und Sänger Johannes Finke, der noch dazu eine so angenehme, beinah-tiefe Stimme hat, dass man sich von diesem nie etwas beschönigenden, aber kraftvoll optimistischen Gefiepe, Gefunkel (& Gefinkel) auch wirklich berühren lässt. “Das ist alles nicht neu / Es wird nur wieder Zeit / Und die Getränke stehn auch schon längst bereit und es hat nichts zu tun mit Vergangenheit.” Und wie die Camping Group, schön beiläufig melodiös und appelativ, mehr Electro denn Gitarrensound abspult – aber mit dem Spirit von hedonistischem Gitarrensongwriting –, klingt es für einen Moment irgendwie doch neu. “Punktronics” und “Digital Indierock” und “Balearenbolz” nennt das Duo (der zweite Mann heißt Daniel Vujaric) fantasievoll seinen Stil. Herausgekommen ist eines der originelleren deutschsprachigen Alben. Hier wird mit 80s-Retro-Zitaten nur noch gespielt, um mit dem Moment zu ringen.
Begierig hört man sich Song um Song an und freut sich schon auf den nächsten, weil alles so schnell gehen muss – und trotzdem jede Sekunde ausgekostet wird. Die sich oft von der Kälte zu mehr Wärme hin entwickelnden Lieder haben so tolle Titel wie “Humanismus ist kein Sportverein” (“Nein, nein, nein!” schreit Finke, “komm lass es sein”, gerade weil ihm offenbar am Humanismus echt was liegt – aber mehr zwischen den Zeilen), “Fantasy Filmfest Girl” oder auch mal “Radarherzen” und “Zeitlochen” (der Sänger hat übrigens schon mehrere Gedichtbände veröffentlicht). So aufgeregt-heiter und angriffslustig-drüber zugleich hat man sich doch eigentlich eine zweite NDW gewünscht, oder nicht? Auch mal experimentell, trotzdem direkt, nicht ängstlich jammerig, sondern angriffslustig. Bei alldem machen The Camping Group Entwurfcharakter-Musik, die einem das Gefühl vermittelt, dass man alles sofort auch machen und anfangen könnte, ohne dabei Ärmelhochkrempel oder Disziplin-Überdruck auszustrahlen. Sie selbst sagen über sich: “Seit Ende 2004 gibt es TCG als wahrhaftige Gegenmaßnahme zu der grassierenden nach Radiotauglichkeit schreienden Pop-Mimikry.” Das aber mit Flucht nach vorne und einladend glamourös.
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