BEWERTEN
 

The Black Keys

»Magic Motion«

[V2 / Rough Trade]

Text: Martin Riemann

“Not the same old blues crap!” Das ist das Motto von Fat Possum Records, dem ehemaligen Label der Black Keys. Dass Letztere jetzt bei Nonesuch (bzw. V2) ihre neue Heimat gefunden haben, beweist, dass diese Devise mittlerweile größere Kreise zieht. Und mal ehrlich: Welcher vernunftbegabte Mensch glaubt eigentlich heute noch, dass das streberhafte Gedudel eines, sagen wir, Eric Clapton irgendwas mit Blues zu tun hat? Blues. Der hatte – dank eines Haufens vollbärtiger Herren aus England – bis in die späten 90er den Charme einer Häkeldecke. Irgendwie bieder. Dabei war er es ja nie! Ich will hier kein Loblied auf Armut und Unterdrückung singen, aber ein paar erlebte Unannehmlichkeiten braucht dieser Sound schon.

Und damit meine ich nicht, dass der Koks auf dem Buffet schon wieder fast alle ist. Typen wie Fred McDowell konnten sich über viele Jahre noch nicht mal eine eigene Gitarre leisten! Und auch R.L. Burnside hatte die Schwielen an seinen Händen nicht vom stundenlangen Proben. Da passen die beiden sturen Typen aus Akron, Ohio ganz gut ins Bild. Nicht dass die jemals auf einem Feld geschuftet hätten, aber immerhin ist ihre Musik von einem Lowlife-Leben knapp unter der Einkommensgrenze geprägt worden. Und mit T-Model Ford und Junior Kimbrough als persönlichen Helden wandelt Dan Auerbach auch nicht gerade auf ausgetretenen Pfaden, was seinen Gitarrenstil angeht. “Magic Potion” ist ein weiterer Schritt der Black Keys in Richtung Einfachheit. Die Hauptrollen sind klar verteilt: Auerbachs konsequent runtergestimmte Gitarre übernimmt die Führung in den elf spärlich arrangierten Songs und bekommt dabei von Patrick Carneys Schlagzeug stets die richtigen Impulse gesetzt. So kann man momentan die Szene im Sturm erobern. Dabei ist “Magic Potion” vielleicht einen Tick düsterer geraten als seine Vorgänger, aber sonst hat sich nicht viel geändert. Der Garage-Sound der Black Keys ist halt nicht sonderlich abwechslungsreich, dafür aber umso kraftvoller, und so können sie u. a. Thom Yorke zu ihren Fans zählen und Radiohead auf deren US-Tour begleiten. Danach kehren sie allerdings bestimmt wieder in ihren dunklen Keller zurück, um für ihr nächstes Album zu schuften. Denn Blues kommt nicht vom Faulenzen.



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aus Intro #142 (September 2006)
 
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