BEWERTEN
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»Helft!«
[Amsel / VÖ: 28.02.2002 ]
Text:
Frank Apunkt Schneider,
Frank Apunkt Schneider
Klaus Beyer arbeitet weiter – und von Nebenkriegsschauplätzen wie Außenwelt oder gesellschaftlicher Geschmacksordnung in idealer Weise unbehelligt – daran, die Beatles zu “werden”, indem er sich deren Werk Album um Album einverleibt, d. h., aus deren brachial per Tonbandgerät-to-Tonbandgerät-Methode gesampeltem Material Klaus-Beyer-Alben emuliert, die sich vom Cover über die Songreihenfolge bis hin zu den gewissermaßen autistisch eingedeutschten Texten von den Vorlagen nur durch ihre absolute, ja radikale Verbindlichkeit unterscheiden, die den Originalen im Verwertungsprozess längst abhanden gekommen ist. Dabei bekommt Klaus Beyer noch einmal jene Dekonstruktion durch Fansein hin, die die mittlerweile wohl weitgehend entmachtete Idee gleitender Popidentitäten (und nicht Arbeitszeitmodelle) hervorbrachte und Fansubjekt und Fanobjekt gleichermaßen durcheinander.
Mit Beyers Worten: “Als ich viel jünger war / Viel jünger war als jetzt / Brauchte ich von niemand Hilfe / Nichts hat mich ersetzt.” Mit “
Helft!” (parallel veröffentlicht zur Klaus-Beyer-DVD mit einem NoFi-Super-8-Filmwerk) hat er nach den experimentellen späten ein klassisches Gitarrenpopalbum der Beatles ausgewählt und damit eine in ihrer relativen und zwischen den Zeilen noch zu ahnenden Leichtigkeit gut geeignete Einstiegsplatte in die Klaus-Beyer-Parallelwelt geschaffen. Sie bleibt über weite Strecke sogar in einem konventionalistischen Sinne “hörbar”, nicht zuletzt dank beinahe klassischer Hitnummern wie “Karte zur Fahrt”. Dennoch spielen Stücke wie “Naturgetreu” die unbekümmerte und freundliche Gewalt seiner Cut-up-Technik bereits an. Als Bonustrack gegenüber dem ehemaligen “Original” gibt es dann noch eine A-cappella-Version von “
Helft!”, der sich Christoph Schlingensief per Telefon aus einem Wiener Hotel als Duettpartner zuschaltet. Mittlerweile ist Beyer ja auch fester Bestandteil der Schlingensief-Blase und hat gerade erst in einem seiner Theaterstücke niemand Geringeren als Jonathan Meese gespielt! Frappierend übrigens, wie sich
Klaus Beyers filigrane Weise des Nichtsingenkönnens vom soeben durchs offene Fenster einmarschierenden “Olé, olé, olé, Superdeutschland, olé!”-Anti-Gesang des ganz normalen und gar nicht so schlimmen und mittlerweile ja sogar von der taz durchgewinkten schwarz-rot-goldenen “Der macht ja nichts, der will ja nur spielen!”-Mob der WM-Zeit unterscheidet.
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