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Radio Birdman

»Zeno Beach«

[Crying Sun (CD) / Stickman (LP) / Indigo / VÖ: 25.08.2006 ]

Text: Felix Scharlau
[3 Kommentare]

Was ist eigentlich los, New York Dolls, Mission Of Burmas und Eagles dieser Welt? Wenn das neue Jahrtausend einen Vibe mit sich brachte, dann doch der, dass man im allgemeinen Everything goes des Pop ruhig nach circa einem Vierteljahrhundert wieder Alben aufnehmen sollte. Und folgerichtig geht so ein Vorhaben nicht selten so richtig in die Hose. Und jetzt Radio Birdman, die sich bereits 1978 trennten, seit 1996 wieder vereinzelt live spielten, aber weit davon entfernt schienen, jemals ein neues Studioalbum zu veröffentlichen. Und wissen Sie was? Das neue Album „Zeno Beach“ mit nur neuen Stücken (13 an der Zahl) ist richtig gut, gemessen an den Klassikern „Radios Appear“ und „Living Eyes“. Und wer die Band auch nur ein wenig kennt, weiß: Jene Alben stellten einst stilistische Meilensteine dar, ohne die bedauernswert untalentiertere 90er-Bands wie Hellacopters überhaupt nicht mehr gewusst hätten, wohin mit ihren Gitarren. „We’ve Come So Far (To Be Here Today)“, „Die Like April” oder „Remorseless“ sind wahrhaftig Songs, die “Murder City Nights” von einst in nur wenig nachstehen und fast so klingen, als seien sie bei derselben Session entstanden. Ich krieg mich gar nicht mehr ein, so angenehm unpeinlich und konsequent ist dieses Comeback. Songwriter und Gitarrist Deniz Tek, bitte übernehmen Sie.


Eure Mischung aus Punk und Rock feiert ja seit den 90ern ein dauerhaftes Revival. War die Tatsache, dass euer Stil nach wie vor nicht datet wirkt, ein Mitgrund für eure Comeback-Album?

Indirekt ist das richtig. 1996 wurden wir gefragt, ob wir beim Big-Day-Out-Festival in Australien spielen wollten. Das war der unmittelbare Auslöser für die Reunion, und ich denke, die Promoter hätten uns nicht angefragt, wenn unsere Musik zu der Zeit nicht noch beliebt gewesen wäre. Die meisten von uns waren schon seit Anbeginn der 90er wieder in verschiedenen Projekten miteinander tätig, also wussten wir, dass wir noch miteinander arbeiten konnten. Aber die musikalischen Moden der Jetztzeit haben uns noch nie interessiert oder beeinflusst. Außerdem glaube ich nicht, dass unsere Musik sich wirklich leicht in einen gängigen Kanon einordnen lässt. Ich denke, wir sind ziemlich weit weg von straightem „Punk“ oder „Garage Rock“.

Nach einer fast dreißigjährigen Studiopause, was überwiegt bei neuen Aufnahmen – der Spaß an der Sache oder doch die Angst, ob man das wohl nochmal hinkriegt?

Für uns als Individuen gab es ja gar keine Pause bei Aufnahmen, das war schon mal ein Vorteil. Wir haben fast alle die ganze Zeit Alben produziert – eigene oder fremde. Wir haben uns nicht viel Gedanken darüber gemacht, wie unser Album bei den Leuten ankommen würde. Wir wissen, wir können spielen, wir wissen, wir haben gute Songs und wir wissen, wie man im Studio arbeiten muss. Und wir wissen, dass wir nicht anders können, als sehr nach Radio Birdman zu klingen… wir können nichts dafür, bei dieser Band ist das ihr ureigene Wesen automatisch da! Also haben wir uns daran gemacht, im Rahmen unserer Möglichkeiten das beste Radio-Birdman-Album zu machen. Die einzige vorhandene Angst war somit, uns selbst zu enttäuschen, und das würde nicht passieren, das wussten wir. Wir müssen uns nichts beweisen, das Publikum muss uns etwas beweisen.

Ist das hier geplant als dauerhafte Reunion? Mit noch mehr Alben?

Wir haben nicht den Plan aufzuhören.



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  • User: Hirntot
  • Hirntot 14.11.2006 | 17:33:32

    Uff, nee, sorry...ich hab jetzt wochenlang versucht, mir die Platte schönzuhören aber es nützt nix: Ich bin enttäuscht. Okay, normalerweise erwartet man von solchen Comebeack-Platten eh nur das Schlimmste (und hofft dann doch ganz leise...) aber in diesem Fall gab es eigentlich keine Gründe dafür. Die wichtigsten Bandmitglieder haben in den letzten 20-25 Jahren mit verschiedenen Projekten gute bis sehr gute Platten rausgebracht, da durfte man durchaus darauf hoffe, dass sie unter dem Birdman-Banner all ihre Stärken akkumlieren und zu richtig großer Form auflaufen würden. Jetzt hätt ich nichts dagegen, wenn die Platte nie erschienen wäre...
    Erstmal klingt das nicht mehr wirklich nach Birdman. Was ja noch ok wäre, die Herren sind ja auch älter geworden. Und klingen halt so ziemlich wie die New Christs. Was ja auch in Ordnung ginge, wenn "Zeno Beach" nicht schwächer als JEDE New-Christs-Veröffentlichung wäre! Mann, das klingt fast alles so seltsam steif und ohne richtigen Flow...Einzig "Locked Up" und der Titelsong sind richtig geil, der Rest leider nur ok bis erschreckend mäßig("You Just Make It Worse"!)..Vielleicht liegt's daran, dass ich diese Band so sehr liebe aber...die Platte bricht mir schon ein wenig das Herz:(

  • User: Piero1982
  • Piero1982 14.11.2006 | 21:15:14

    Ich seh die ganze Sache nicht so pessimistisch, auch wenn sie natürlich nicht an die alten (ha, ha, fast schon untertrieben - antiken) Sachen herankommt. Aber "Locked Up", "Hungry Cannibals" und besonders "Zeno Beach" sind klasse Songs...

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