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The Whitest Boy Alive

»Dreams«

[Bubbles / Rough Trade / VÖ: 08.09.2006 ]

Text: Sebastian Ingenhoff
[12 Kommentare]

Erlend Øye hat in den letzten Jahren diverse Transformationen erlebt. Nachdem er die “Quiet is the new loud”-Bewegung mit den Kings Of Convenience ebenso schnell begründet wie auch wieder begraben hatte, gab es erst einmal ein Elektropop-Soloalbum, für dessen Produktion er immerhin Leute wie Morgan Geist, Schneider TM oder Prefuse 73 gewinnen konnte. Dann war er ja noch als singender DJ tätig. Ein Projekt, das im Endeffekt wohl eher von sympathischen Schrulligkeiten und Gespür für Hits getragen wurde denn von technischen Fertigkeiten. Wenn der auf einmal Sachen wie a-ha ausgrub und spielte, dann stand man eher so rum, knöpfte sein Hemd auf und dachte, man sei jetzt selbst Morten Harket – so wie ein Freund von mir damals, auf MDMA.

Aber ein treibendes DJ-Set sah weiß Gott anders aus. In Sachen Gitarrenmusik hingegen war Erlend Øye immer mehr so der Typ Zupfer und eher gemütlich unterwegs. Es gibt Leute, die schwören, er habe noch nie auf einen Verzerrer getreten, und auch auf der Platte “Dreams” seiner neuen Band The Whitest Boy Alive wird diese Tradition beschwingt weitergeführt. Eigentlich als Elektroprojekt geplant, ergab sich schnell eine klassische Bandbesetzung, in der man nun konsequenterweise auch Gitarrenmusik feilbietet. Diese erinnert teilweise an die ersten Cure-Platten, die traurigen Momente wecken sogar Assoziationen zu Cat Power, wobei die Stimme von Erlend natürlich schon männlich ist, aber männlich in einem angenehmen Sinne: weich, fragil, behutsam eingesetzt. Vielleicht ist der Vergleich zu den frühen Cure gar nicht mal so dumm, auch wenn Erlends Gesangstimbre natürlich in eine komplett andere Richtung geht als das von Robert Smith. Wie “Boys Don’t Cry” schafft es aber auch “Dreams”, melancholisch-fröhlich vor sich hin zu flöten und diese Stimmung zehn Songs lang zu halten, wobei sich gerade der vermeintliche Clash zwischen trauriger Stimme und spartanischem, sommerlich-mäanderndem Soundkostüm als spannend erweist. Ohne jetzt die Geschmackspolizei spielen zu wollen, aber wer dieser Platte hier nichts abgewinnen kann, der hat echt überhaupt keine Ahnung.



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  • retox 07.10.2006 | 19:12:14
    haltbar bis 30.09.08
    ganz ganz feines ding!!!

    vielleicht nicht grade album des jahres, aber durch freundliche geschmackssicherheut ganz vorne mit dabei!

  • User: diskoraupe
  • diskoraupe 08.10.2006 | 11:47:58

    also ich muss sagen ich bin noch mit mir am ringen aber ich denke auch bei mir ganz weit vorn in den "Jahrescharts" ( Hilfe das ist ja bald schon wieder vorbei-- ich muss mal darüber nachdenken was so alles an neuen platten gekommen ist)

  • User: wolkenwelt
  • wolkenwelt 08.10.2006 | 12:12:13

    irgendwie schafft es erlend immer einen mit seiner musik zu umschlingen.

  • LostInACity 08.10.2006 | 15:45:57

    Sehr subtiles Album. Geheimtip wage ich fast zu formulieren.

  • User: carty
  • carty 08.10.2006 | 16:32:21

    eine tolle platte, die wegen ihres minimalismus erst mit jedem mal hören wächst und sich immer mehr einschmeichelt. kann es noch nicht ganz einordnen wie weit vorn dabei aber sie gehört zu den besonderen alben dieses jahres.

  • User: nepomuk
  • nepomuk 08.10.2006 | 17:54:52

    dreams are my reality.
    so. irgendwie trifft's das.
    ja, ich kann mich (noch) nicht satt hören. wahrscheinlich laufe ich schon wieder gefahr, das gute stück zu überhören. wäre aber schade.
    sicher gibt es noch ein zwei schmuckere scheiben die mir gerade nicht einfallen wollen, aber auf alle fälle gibts an der platte für nichts, aber auch gar nichts (nennenswertes) auszusetzen.

  • brotvielfalt 10.10.2006 | 00:04:35
    Flitzpiepe
    Subtil in der Tat (böse Menschen würden harmlos sagen) aber schön, vor allem nach mehrmaligem Hören.

  • User: fabili
  • fabili 10.10.2006 | 01:43:22

    Ein wunderschönes album, live auch toll anzuschauen, die Jungs - aber auf Vinyl gibts das (noch) nicht? Weiß da jemand was zu?

  • User: seDschei
  • seDschei 10.10.2006 | 10:21:58
    Nachbar
    Wenn Daniel Nentwigs Groove auf der Platte etwas staerker praesent waere (so wie gestern auf dem Konzert), waere die richtig grossartig. So fehlt dem Album ein bisschen die Abwechslung - ist aber trotzdem natuerlich schoen in seiner Reduziertheit auf das Wesentliche.

  • User: schons
  • schons 10.10.2006 | 10:35:05

    nettes konsensalbum. tut keinem weh. soviel ist klar.

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