BEWERTEN
 

Madsen

»Goodbye Logik«

Text: linus volkmann, linus volkmann

An Madsen scheiden sich die Geister. Madsen sind quasi die Tokio Hotel der älteren Brüder und Schwestern. Denn sie polarisieren wie blöde. In der letzten Intro-Ausgabe fand sich der Plattenfirmen-Player Curt Keplin in der Rubrik “Platten vor Gericht” gar mit der Aussage: “Madsen sind wie Schmeißfliegen. Man wird sie einfach nicht los.” Das zeigt das vorhandene Hass-Potenzial. Doch glücklicherweise wird man im Pop meist auch in ähnlicher Intensität geliebt, wenn von einer Seite so viel Hass entgegenschlägt. So auch die Wendländer mit den vielen Geschwistern im Line-up. Auf Festivals läuft es, im Musikfernsehen auch.

Und weil das alles so schnell ging, wirft sich eben reflexhaft auch gleich die alte Indie-Front auf. Das ist ein natürlicher Prozess. Wie Fieberkriegen, wenn man krankt ist. Da muss sich keiner wundern oder ärgern. Sondern kann sich einfach nur fragen: Wo stehe ich in dieser Travestie eines Konflikts? Mag ich fühlige Jungmänner, die rotzen, rocken und mitunter ein Pathos bemühen, als hätte man Bekenntniseifer als Wahlpflichtfach und müsse damit die fünf in Mathe ausbügeln? Hat man Lust auf eine etwas, sagen wir, einfache Version von veritablen Strömungen des kontemporären Indie-Zirkus’? (Gemeint natürlich: Muff Potter und besonders Thees Uhlmanns Tomte, welche von Madsen stets ehrfurchtsvoll hochgehalten werden.) “Einfache Version” soll dabei gar nicht so despektierlich klingen. Einfache Version ist auch, wenn man sich zu Hause Spaghetti mit roter Sauce mal selbst macht. Ist vielleicht nicht der Nobel-Italiener, aber mitunter frisst man letztlich zwei Portionen.

Das ist also die eine Seite, die man anbieten kann in den aktuellen Madsen-Kriegen. Die andere – und dann hilft eh nichts bezüglich dieser Band: Man hat das alles schon gehört, gesehen, sogar sehr viel besser und überhaupt. Dann sollte man aber bitte einfach weitergehen. Denn nichts ist doch peinlicher als Tokio-Hotel-Disser – das gilt eben auch für die von Madsen. Der Rest kann sich freuen: “Goodbye Logik” ist ein Sequel vom Erstling geworden (viel Zeit hat man sich ja auch nicht zwischen den Alben gelassen), klingt aber versierter im Bekannten und versucht auch ein paar kleine Schlenker jenseits der Indierock-Bundesstraße, auf zum Beispiel “Der Moment” und “Piraten”. Zitat daraus: “Ungeliebt und ungewiss machten wir uns auf den Weg / Auf einem Geisterschiff, das irgenwann untergeht / Wir haben nichts, wir sind nur zu zweit / Wir sind wie Bonnie und Clyde / Ich lasse dich nicht allein, in der Zeit, die uns noch bleibt [Tomte, aber hallo!] / Wir sind Piraten ohne Ziel / Wir haben nichts mehr zu verlieren / Es gibt einen Weg hier raus / Doch damit kennen wir uns nicht aus.” Na ja ... Als Distinktionsgewinn für den Hörer werden Madsen außerhalb des Schulhofs wohl nie taugen, als Rockact der Stunde funktionieren sie allerdings einwandfrei.



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