BEWERTEN
 

A Guy Called Gerald

»Proto Acid – The Berlin Session«

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Wenn jemand in Anspruch nehmen darf, so etwas wie Roots-Techno zu machen, dann Gerald Simpson a.k.a. A Guy Called Gerald. Bevor er Mitte der 90er einer der wichtigsten UK-Drum’n’Bass-Pioniere wurde, hatte der Mann aus Manchester mit „Pacific State“ eine der größten Rave-Hymnen geschrieben, und sein Track „Voodoo Ray“ gilt heute noch als Vorlage für Acid-House im Allgemeinen. Das neue Album „Proto Acid – The Berlin Session“ wirkt daher wie ein Zeitsprung und zeigt, wohin das alles noch hätte führen können, wenn damals das Rave-Ding in England nicht gleich so explodiert wäre. „When I say proto acid I’m saying this stuff has direct lineage to Chicago and Detroit in the mid-to-late 80s“, verrät Gerald, der inzwischen in Berlin lebt, im Info zur Platte.

Tatsächlich schafft Gerald es meisterhaft, die kompakte Klarheit, Kraft und Magie dieser frühen Techno-Phase in die Gegenwart und darüber hinaus zu transportieren. Ohne Zeit zu verlieren, setzt der aus 24 sehr rohen, Club-orientierten Tracks bestehende Mix mit dem tiefen, pumpenden Groove von „Marching Powder“ ein, um im Laufe eines über 70-minütigen Jams die Kraft eines Live-Gigs zu entfalten. Die Beats und Sounds klingen dabei immer zwingend und direkt, wirken gleichzeitig aber so leicht und differenziert, wie das nur ein wahrer Meister wie Gerald hinbekommt, dessen Liebe zu seiner Musik tiefer zu sein scheint, als man es bei anderen Produzenten jemals für möglich halten würde. Auch darum ist „Proto Acid“ eine wunderbare Platte.



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