BEWERTEN
 

Underoath

»Define The Great Line«

Text: Thomas Renz, Thomas Renz

Es soll ja tatsächlich einmal eine Zeit gegeben haben, als „Do It Yourself“ noch mehr war als ein unbeholfener Versuch, einen schlecht gemachten Flyer mit einem euphemistischen Schlagwort zu rechtfertigen. Und es soll tatsächlich noch Menschen geben, die Hardcore nicht bereits Mitte der 1980er-Jahre zu Grabe getragen haben, sondern aus seinen philosophischen Grundgedanken eine unabhängige Geisteshaltung ableiten, die den Glauben an sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Underoath gehören nun ganz gewiss nicht zu dieser Gruppe, auch wenn Metalcore gewöhnlich sehr darauf bedacht ist, seine Nähe zur Hardcore-Szene hervorzuheben – vor allem in ideologischer Hinsicht.

Denn wer mit Aussagen wie „Jesus Christ, without you, Lord, I have and am nothing“ auf Knien durch die Dankesliste seines Booklets rutscht, dem geht sicher vieles ab, vor allem aber die Überzeugung, durch die eigene Kraft etwas zum Positiven verändern zu können. Es soll natürlich jedem freigestellt bleiben, sich als unselbständiger Nichtsnutz zu profilieren, dennoch tut sich hier ein tiefer weltanschaulicher Graben auf, den wohl nur zu überbrücken in der Lage ist, wer an Unmögliches wie eine unbefleckte Empfängnis glaubt. Aber vielleicht haben die vielen Totengräber des Hardcore ja doch Recht, und Bands wie Underoath versuchen in Wahrheit, eine Subkultur zu unterwandern, die schon längst von uns gegangen ist. Doch was hilft das schon bei Leuten, die an Auferstehung glauben?



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