BEWERTEN
 

Solenoid

»Supernature«

Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Naivität ist gleich Qualität, wenn sie mit der unbändigen Freude eines Nerds an gestalterischer und technischer Perfektion umgesetzt wird. Diese Gleichung, nach der David Chandler alias Solenoid aus Portland seine Tracks zu konstruieren scheint, ist so simpel wie einleuchtend – zumindest für ähnlich geartete Spielzwangnaturen wie Chandler, die sein mittlerweile viertes Album ganz bestimmt lieben werden. Solenoids Musik ist naiv. Alles an ihr ist eine Spur zu echt, zu fröhlich, zu verspielt, zu eindeutig und gerne mal überladen. Dabei sind die Stücke auf der Produktionsseite sehr ausgefeilt, detailliert und quasi perfekt gearbeitet.

„Supernature“ klingt also ungefähr so, wie man sich klischeemäßig eine Technoparty an der Westküste der USA ausmalen würde: die Luft durchdrungen von strahlendem Sonnenschein und Psychoflirren, aus dem Soundsystem klotzt Tanzmusik mit dem gewissen Plastikfaktor. Der Verweis auf Cerrone – vom französischen Disco-Don wurde nicht nur der Albumtitel ausgeliehen, sondern in den Linernotes wird ihm auch für Inspiration gedankt – wirkt daher etwas rätselhaft, da sich Solenoid doch so eifrig in seiner Electro- und vor allem Rave-Nostalgie festbeißt. Aber auch Barock-Plastik-Funk mit viel Techno-Schmalz obendrauf kann eben schön gemacht sein.



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