BEWERTEN
 

Diva Int.

»Diva Int.«

Text: Klaas Tigchelaar, Klaas Tigchelaar

Vorsicht, Klischeefalle. Unvoreingenommene Hörer, die nicht zunächst mal in die Band-Biografie schielen, bevor sie die CD einlegen, sind hier klar im Vorteil. Schließlich wissen sie nicht, dass ein Bandmitglied sein Geld zupfenderweise bei anonymen Mainstream-Produktionen und auf Musicalbühnen verdient, was der Kredibilität von Bands gemeinhin als abträglich gilt, aber hier scheint es mal ein Mehrwert: Der Bass von Stefan Endrigkeit ist sozusagen der Rotz im Glamrock-Näschen von Diva Int., ungestüm prescht er durch die schlanken Songkonstrukte der restlichen drei Akteure der Band aus Hamburg und wirbelt die Etikette gehörig durcheinander.

„Glamrock“? Das hat immerhin die Band über sich gesagt, vielleicht aus Angst vor dem Fingerzeig auf die anderen, die auch ganz gut gefälligen Discoshuffle mit scharfen Gitarren und verzerrtem Bass zu kleinen Ohrwürmern backen können. Glam ist dann auch nur in kleinster Dosierung enthalten, ungefährlich für alle, die von Suzi Quatro und T.Rex Stressrötungen kriegen. Dafür teilen sich Bowie und Iggy die Referenz beim exaltiert-spitzlippig vorgetragenen Gesang, der dick über den äußerst durchdachten Songstrukturen liegt. Profi-Appeal mit Proberaumspaß kann eine sehr hörenswerte Platte gebären, bei der man zum Glück auch nicht Funk sagen muss, wenn man Groove meint.



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