BEWERTEN
 

King Britt

»Presents The Nova Dream Sequency: Interpretations«

Text: Heiko Behr, Heiko Behr

Lieber Mainstream, du gefräßiges Monster. Seit Jahrzehnten versuchst du, noch die abseitigsten Entwürfe in dich aufzunehmen. Zu verwässern statt zu verdichten. Zu verklären statt zu erklären. Zu erschaffen statt zu zerstören. All das ist dein Wesen, ich werfe es dir nicht vor. Aber ich verweigere mich. Komplett. Hier sind ein paar Gründe: 1. Zugänglichkeit. Ich verwehre mich gegen Instant-Lösungen, meine Sounds sind monolithisch und bleiben monolithisch. Du kommst hier nicht rein. 2. Eingängigkeit. Erwarte keine Refrains, Slogans oder gar Songstrukturen. Meine Tracks entwickeln sich langsam zu siebenminütigen Universen. 3. Identifikation.

Ich biete dir keinerlei Projektionsflächen an. Weder durch das Cover noch durch erklärende Linernotes oder gar Textabdruck. Das gehört alles mir und nicht dir. 4. Referenzen. Ich arbeite aus mir selbst heraus. Ich rekurriere allein auf die sprachlose Tradition meiner Stadt. Das alles wirst du sicher nicht verstehen. Aber weißt du was? Genau darum geht es. Dein King Britt.
Und nach so viel kreativer journalistischer Fiktion kommt hier noch mal der echte King zu Wort:

Das ist nun also dein Detroit-Album.
What took you so long?
Also, ich würde erst mal sagen, die Platte ist zwar Detroit-beeinflusst, aber auf jeden Fall eher Philly-deep. Ich habe so einen Sound ja schon immer gemacht. Am nächsten dran war ich dabei mit meinem Projekt Scuba. Und zuletzt machte ich für das Pariser Label Posseau von DJ Yellow eine Single in dem Style. Da merkte ich, dass mich das reizt und dass ich mir da mehr, am besten ein ganzes Album zu vorstellen konnte. Und Yellow immer so: „Das muss ich rausbringen!“

Du hast dir HipHop, Dancefloor, Soul und diverse andere Genres erobert, ist da überhaupt noch was übrig, wo du dich mal reinfuchsen möchtest?

Ach, es geht doch nicht ums Erobern. Ich möchte mir Räume gestalten, in denen ich kreativ sein kann. Genres sind mir da egal. Ich liebe Musik und Vibrations. Und jede neue Platte ist ein neues Kapitel.

Und da sind ja einige Kapitel schon geschrieben. Weißt du überhaupt, auf wie vielen Alben du schon mitgewirkt hast?

Sind schon über 250 ... Und mir fehlen eine Menge davon!



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aus Intro #141 (August 2006)
 
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