BEWERTEN
 

Boxcutter

»Oneiric«

Text: Uwe Buschmann, Uwe Buschmann

Als neuer Großmeister des Dubstep ist Boxcutter bereits Kult. Diese neuen zwölf Tracks sind dabei von einer derartigen Vielschichtigkeit und Produktions-Raffinesse, dass man noch lange Freude an ihnen haben wird. Der ideale Einstieg ist das schon von der Mu-EP bekannte „Tauhid“, weiß Gott einer der Tracks des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts, deshalb ist er hier auch die Ouvertüre: Ausgehend von seinem perlenden und an Portisheads „Sour Times“ (bzw. dessen Lalo-Schifrin-Vorlage) erinnernden Piratenschiff-Vibe, knarzt sich der Mann durch extrem filigrane High-Tech-Dub-Gefilde, nur um sich im nächsten Schritt – von sichelscharfen Cymbals attackiert – zur wahren Fallhöhe aufzubäumen, bis dann im sensationellen Finale alles aus den Fugen gerät.

Es ist wahrlich gigantisch. Track #2 dreht die Irrsinns-Spirale noch ein bisschen weiter, diesmal unter Verzicht auf freundlichere Elemente, während ein Stück wie „Sunshine VIP“ trotz hochgradig maschinell-präziser Ästhetik absolut euphorisierend wirkt. Leicht erschreckend kommt „Silver Birch Solstice“ mit seinem EsoterikerInnen-freundlichen Wellness-Sound hereingeweht – der Gedanke an LTJ Bukem ist nicht weit, brrr, doch hier wendet sich das Blatt alsbald, d. h., wird das anfangs so pittoreske Moodpiece schließlich aufs Böseste durch die Mangel gedreht. Die Einzelteile sind brillant, das Gesamtwerk ist ein Meilenstein.



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