BEWERTEN
 

Head Automatica

»Popaganda«

Text: Peter Flore, Peter Flore

Ein Schlaraffenland, in dem die fünf New Yorker da leben. Man braucht sich nur hinzulegen und die Lauscher zu spitzen: Alles fliegt schon gesotten und gebraten durch die Luft, an jeder Ecke lauern eine Hookline, ein öffnender Refrain, ein Gitarrensolo oder ein messerscharfer Riff. Sänger Daryl Palumbo war in einem früheren Leben einmal Frontmann der Hardcore-Band Glassjaw – jetzt schreibt er nur noch gut gelaunten Zuckerguss-Powerpop. Manchmal ist das des Guten ein wenig zu viel, anfangs erschlägt einen diese geballte Melodienseligkeit, und man fühlt sich, wie man sich eben fühlt, wenn man den ganzen Tag nur Gummibärchen gegessen hat.

Andererseits: Wenn man den Pop schon derart plakativ im Titel trägt, warum dann auch nicht über die Strenge schlagen? Das Gute an Head Automatica: Sie machen keinen Hehl daraus, as pop as pop can be zu klingen. Klappt bei der Single „Graduation Day“ ganz vorzüglich, noch besser gar beim naiven bis Abschlussball-kompatiblen „Curious“ oder „Million Dollar Decision“. Und die Kuhglocke bei „Lying Through Your Teeth“, wo haben wir die schon gehört? Genau: Stadionrock. Dank der immer wieder eingestreuten Spitzfindigkeiten, der düsteren Disko-Nummer „Egyptian Musk“ oder des abschließenden Jams „K Horse“ bin ich gewillt, ihnen zu vergeben. Denn, bei Gott, ich habe auch schon damals bei Blink 182 getanzt.



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