BEWERTEN
 

Greg Graffin

»Cold As The Clay«

Text: Henrik Drüner, Henrik Drüner

„Mit dem Alter fängt man an, sich für Country-Musik zu interessieren“, sangen Die Aeronauten 1997. Es war auch das Jahr, in dem Bad-Religion-Sänger Greg Graffin sein Solodebüt „American Lession“ veröffentlichte. Und irgendwie passt es jetzt, dass sich das Nachfolgealbum noch weiter vom Punkrock-Songwriting entfernt. Laut Aussage von Graffin besteht zwar eine stilistische Verbindung zwischen diesen Polen, doch für den Außenstehenden hat sich der Lehrstuhlinhaber mit versierten Kollegen – vor allem den drei Weakerthans-Mitgliedern Stephen Caroll, Jason Tait und Greg Smith – zurückgezogen, um musikalisch eine ganz ruhige Kugel zu schieben.

Eingespielt wurde das Dutzend Songs in nur acht Tagen unter den Produzentenhänden von Brett Gurewitz (Bad-Religion-Gitarrist), meist als Live-Take ohne technischen Schnickschnack. Oder dient der Solo-Ausflug als willkommene Abwechslung zur stagnierenden Entwicklung bei seiner Hauptband? Die eine Hälfte der Songs stammt zumindest aus der Feder von Graffin, die andere speist sich aus dem American Songbook; beispielsweise „Omie Wise“, ein Traditional aus dem 19. Jahrhundert, das mit gezupfter Gitarre an „Greensleeves“ und Schulaula-Konzerte erinnert. Das Banjo sorgt zusätzlich für den gewissen Cajun- und Bluegrass-Einschlag. Den missionarischen Eifer in der Stimme hat Graffin mit Justin Sullivan (New Model Army) gemein, und Jolie Holland steuert als Studiogast den Backgroundgesang („Cold As Clay“, „Talk About Suffering“) bei. Wer soll das hören wollen? Für Freunde zeitloser Folksongs oder passionierte BR-Fans ist das durchaus geeignet.



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