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The Russian Futurists

»Me, Myself And Rye«

Text: arno raffeiner, arno raffeiner
[2 Kommentare]

„Schönheit gibt es nur noch im Kampf. Ein Werk ohne aggressiven Charakter kann kein Meisterwerk sein.“ So schrieb Filippo Tommaso Marinetti in seinem „Futuristischen Manifest“ von 1909, einer maßlosen Ereiferung gegen Tradition und Gemütlichkeit, die ihn und seine Gefolgschaft konsequenterweise ins Fahrwasser eines zweifelhaften Militarismus und folglich auch des Faschismus brachte. Die von Marinetti inspirierten russischen Futuristen dagegen entwickelten eher Sympathien für die Oktoberrevolution, in ästhetischer Hinsicht spielten aber auch hier Geschwindigkeit, formale Experimente und Technikgläubigkeit die Hauptrolle. Der Musiktüftler Matthew Adam Hart wiederum ist weder Russe noch Futurist, sondern einfach ein HipHop-Beach-Boy aus Kanadas Wäldern.

Tabubruch? Ach, wieso denn? Muss ja nicht sein, solange man es sich in seiner Musik so bequem einrichten kann. The Russian Futurists hängen unbeschwert, von süßem Melodiefusel beduselt und leicht psychedelisch verpeilt auf ihrem Sofa aus Schepperbeats und Trötsamples ab. HippieHop, Folk, gude Laune! Wenn sich Hart mit seinem so sinnlos weit hergeholten Projektnamen auf den bald hundert Jahre alten Futurismus beruft, so wohl eher im Sinne der jüngeren Tradition des Quiet is the new loud. In dieser Sichtweise sind Lo-Fi-Popper und Nerds wie Hart dann eben die neuen Revoluzzer des scheppernden Wohlklangs, der gegen den Status quo der heute alles beherrschenden Beschleunigung opponiert. „Me, Myself And Rye“ (Untertitel: „An Introduction To The Russian Futurists“) ist eine Sammlung der besten Stücke seiner bis dato erschienenen drei Alben, und das künstlerische Manifest, das Matthew Adam Marinetti damit in Sound entwirft, muss man sich in Worten ungefähr so vorstellen: „Bis heute hat die Popmusik die rastlose Beweglichkeit, die Ekstase und die Immerwachheit gepriesen. Wir wollen preisen das schunkelnde Kopfnicken, die angenehme Schummrigkeit, den Schlurfschritt, den Headspin in Gedanken, den Ohrwurm und die Streicheleinheit.“



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  • schunkel 10.11.2006 | 10:07:59

    Da kauf ich zufällig diese Russian Futurists, freie mich am ausgesucht super lo-fi-hop-beachpetshopbeatligen Flauschcore und Arno Raffeiner aus dem Archiv schreibt tatsächlich was von "schunklig". Geilo, die Zeichen, die Sounds!

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