Michaela Melián
»Föhrenwald«
Text:
Martin Büsser,
Martin Büsser
Während Hörbücher boomen, droht das altehrwürdige Hörspiel auszusterben. Nichts drückt die prekäre Zukunft des Mediums so deutlich aus wie der vom „Bund der Kriegsblinden Deutschlands e. V.“ verliehene Hörspielpreis für Michaela Meliáns „Föhrenwald“, benannt nach einer Gruppe, deren letzte Verbliebene bald das Zeitliche segnen dürften. Der Anachronismus „deutsche Kriegsblinde“ trifft sich mit dem Anachronismus „deutsches Hörspiel“ insofern, als dass es sich hierbei um eine Kunstform handelt, die aufgrund ihrer rein akustischen Präsentationsform prädestiniert war, sich mit den Nazi-Verbrechen auseinander zu setzen. Hörspiel-Klassiker wie „Träume“ von Günter Eich fanden eine angemessene Form, den Schrecken von Auschwitz trotz des Adorno-Verdikts einer Kunst nach Auschwitz in Worten und Klängen fassbar zu machen.
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