BEWERTEN
 

Boozoo Bajou

»Juke Joint II«

Text: georg boskamp, georg boskamp

Dass ausgerechnet zwei extrem entschleunigte Bayernbuben mit ihrem superreduzierten Schaufelrad-Sound für tiefste Wurzelbehandlung und konstant mehrdimensionale Seelenmassage sorgen, dürfte seit sechs Jahren, unzähligen Compilationbeiträgen und zwei grandiosen Studioalben klar sein. Eines weiteren Lässigkeits-Beweises hätte es also eigentlich erst mal nicht bedurft, und schon gar nicht so kurz nach dem im Frühjahr erschienenen Longplayer „Dust My Broom“. Aber es gibt einen. Und der ist eigentlich, ja, eine Compilation. Die von handelsüblichem Klischee-Geschwurbel aber ungefähr so weit entfernt ist wie mein Kaffee von flüssiger Gelatine.

Und so straft auch dieses gut abgehangene „Juke Joint“-Sequel erneut all die so schamlos ignoranten Blockheads-Lügen, die immer noch (oder schon wieder) meinen, dass erhaltenswert Traditionelles wie Swamp-Blues, Jazz, Dub, Soul und Folk auch fernab aller Fusion-Verdächtigungen niemals mit zeitgemäßer Elektronik gekreuzt werden kann/sollte. Geht eben doch – und wie. Schon allein, weil sämtliche Genrehülsen und die damit verbundenen Animositäten der etwaig beteiligten Lager pubertärer Bullshit sind, wenn bloß der Deepnessfaktor stimmt. Gute Musik bleibt einfach gute Musik, da machste nix. No matter the Entstehungszeit. Und auch da ziehen die Boozoos ihren tiefgründig gut recherchierten Streifen einfach durch. Tony Joe White (im raren Boozoo-Treatment), TM Juke, The Meters und Rechenzentrum in einem fluffigen Go mit Urbs & Cutex, Nicole Willis, knisterigem Roots-Reggae und herrlich melancholischen Singer/Songwriter-Perlen aller möglichen Phasen: in dieser Reihung und Selbstverständlichkeit aber so was von komplett über alle Zweifel erhaben, dass es so manchem voreiligen Kritiker die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. Und die letzten Nörgler werden mit dem sanft im Mix eingebetteten neuen Boozoo-Track „Back Up“ zurück Richtung brennendes Rom vertrieben. Auf dem der Madlib-verwandte Stones-Throw-MC Oh No über einen feist ausgebauten HipHop-Beat seinerseits mal ganz ordentlich an die Playerhater austeilt. Das hier, werte Patienten, ist pure Medizin.



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