BEWERTEN
 

Villeneuve

»First Date«

Text: Barbara Schulz, Barbara Schulz

„Ich liebe es, Fernsehen zu gucken. Vor allem Tiersendungen und ‘Dallas’. Was für eine wundervolle, total unterschätzte Serie!“ ereifert sich der Franzose Benoit de Villeneuve über seine liebste Freizeitgestaltung. Villeneuve, von Haus aus Gitarrist, versteckte sich zusammen mit der Sängerin Mélanie Pain (bekannt von Nouvelle Vague) für ein paar Monate in seinem Pariser Studio und arbeitete an den Songs für sein Debütalbum. Herausgekommen ist eine Tour de Force durch sämtliche Sparten vor allem englischer Popmusik, die die Vorbilder von Villeneuve, der sich selbst als bulimischen Musiksammler bezeichnet, unschwer erkennen lässt.

Frau Pain singt ähnlich wie die Cardigans-Chanteuse Nina Persson mit zuckersüßer, aber wissender Stimme auf Englisch über den von Villeneuve gebastelten Elektropop, der dabei gern von wabernden Gitarrenwänden und Geigen garniert wird. Thema der Platte ist, wie man dem Titel schon anmerken kann, die Liebe. Nichts soll ausgespart werden, alles sei im Köcher: Höhen und Tiefen. Tiefen ja, Höhen eher nein, möchte man da erst mal einwerfen, kleidet sich das Liedgut doch insgesamt eher in Moll als in Dur: „First Date“ beginnt mit einer traurigen Ballade („Mercury“), leitet über zu einem Moloko’artigen Hüftwackler, bevor man endlich ein wenig Euphorie (First Date!) zu hören bekommt – in dem Synthesizer-verrückten super Tanzstückchen „Oh No“. Danach wird’s sehnsüchtig mit einer Popperle namens „Tomorrow Never“, und so geht’s weiter ­– auf und ab, wie versprochen. Spätestens beim vorletzten Stück „Does Anybody Hear Now“, einer herzzerreißenden Ballade, die von Mélanie Pain und Villeneuve zusammen gesungen und ab und zu von gemeinen Störgeräuschen durchzogen wird, muss man tatsächlich an die Gestalten aus „Dallas“ denken, an die hintergründig lächelnde Sue Ellen, den fiesen J.R., Miss Ellie und all die anderen, die sich immer Drinks mixten, nie etwas aßen und ansonsten irgendwie verloren in ihrer kleinen Welt herumstapften. Zu jener Welt passt nicht nur das Cover von „First Date“ (Mann und Frau liegen nackt und verwirrt schauend am Boden), sondern auch die Musik.



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