Plaid & Bob Jaroc
»Greedy Baby«
Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Das Format macht die Musik – und das Bild gleich dazu. In Zeiten, in denen die DVD zum erschwinglichen massenmedialen Pop-Standard avanciert ist und gegenüber der CD gleich einiges an Mehrwert zu bieten hat, lassen Projekte, die die Synergieeffekte von Bild und Sound zusätzlich verstärken wollen, natürlich nicht lange auf sich warten. So haben sich vor einiger Zeit die britischen Musiktüftler Ed Handley und Andy Turner a.k.a. Plaid mit dem Filmkünstler Bob Jaroc verbündet, um an einem kollektiven audiovisuellen Opus zu arbeiten. Trotz vierjähriger gemeinsamer Arbeit wirkt das Gesamtwerk „Greedy Baby“ alles andere als einheitlich. Die Künstler setzen bewusst auf eine Vielfalt der Stimmungen und Methoden und schaffen so ein mehrschichtiges, in sich gebrochenes Werk. Das Zusammenspiel von Bild und Ton verdeutlicht diesen heterogenen Aspekt nochmals besonders. Animierte Grafiken pulsieren im Takt von Anrufbeantworter-Collagen, abstrakt Gezeichnetes huscht im Zeitraffer durch harmonische Schüttelbeats, schwermütige Synthesizer verklären das rasante Auf und Ab und Stop and Go urbaner Klischeebilder aus Tokio. Im Zentrum der DVD thront „The Return Of Super Barrio“, ein Animationsfilm in der simplen Logik des (revolutionären) Superheldentums. Der mexikanische Wrestler Super Barrio nimmt es nacheinander mit der Achse der bösen Hegemonie von den USA über das Finanzkapital bis zum Polizeiapparat auf, muss immer viel einstecken, bleibt aber am Ende siegreich – eine nette und etwas platte Parabel auf politische Selbstermächtigung. Jene Stücke, die sich am eindeutigsten an Filmmusik orientieren, in der Bild und Ton ja immer schon verschmelzen sollten, sind die stimmungsvollsten von „Greedy Baby“, so etwa das hymnische „I Citizen The Loathsome“, das sich von musikalischen Italo-Horrorszenarien zu modernen Krautrock-Visionen hochschraubt und dazu nächtliche Stadtansichten endlos im Kreis rotieren lässt. Hier noch drei Fragen an Plaid und Bob Jaroc:
Wie hat man sich die gemeinsame, dabei doch für Video und Sound getrennte Arbeit an diesem Projekt vorzustellen?
Wir begannen gemeinsam mit lockeren Konzepten für die einzelnen Stücke. Das waren die Samen, die wir dann sorgsam in unseren jeweiligen Gärten aufzogen. Wir haben den gesamten Entstehungsprozess hindurch eng zusammengearbeitet, wenn wir mal nicht gemeinsam am selben Ort sein konnten, haben wir einen großzügigen ftp-Bereich genutzt, um uns Ideen hin- und herzuschicken. Wir hoffen, dass wir so in sich geschlossene audiovisuelle Stücke geschaffen haben, bei denen weder Audio noch Video überhand nehmen.
Wie hat die Tatsache, dass diese Veröffentlichung im Voraus als ein audiovisuelles Werk geplant war, eure üblichen Produktionsweisen beeinflusst?
Wenn man mit anderen Künstlern zusammenarbeitet, ändert das immer die Dynamik der Arbeitsweise. Es gibt die Notwendigkeit, in einem höheren Maße Kompromisse einzugehen, aber genau dadurch kann etwas entstehen, das man sich als Individuum alleine nicht hätte ausdenken können.
Findet ihr, alle sollten zumindest ein bisschen so sein wie der Superheld in eurem Stück „The Return Of Super Barrio“ und gegen Unterdrückung kämpfen?
Natürlich, wenn die Leute nicht ihren Teil beitragen, dann funktioniert Demokratie nicht – so wie sie eben derzeit wohl nicht funktioniert! Wir hassen Menschen, die aufgrund dieser „Meine Stimme hat doch keine Bedeutung“-Einstellung nicht wählen gehen. So ein Unsinn, jede Person hat doch nur eine einzelne Stimme. Solche Leute träumen davon, Kaiser zu sein und von ihrem juwelengeschmückten Thron herab über alle anderen Macht auszuüben.
Artikel kommentieren
» Plaid & Bob Jaroc - Greedy Baby für 9.99€ bei iTunes kaufen
» Plaid & Bob Jaroc - Greedy Baby bei Amazon kaufen
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen





