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Kante

»Die Tiere sind unruhig«

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

„This record should be played loud“, steht mit fettem, schwarzem Filzstift im Booklet des vierten Albums von Kante. Ein derart eindeutiges Bekenntnis zum Rock, eine solche neue Direktheit im Sound war nach dem extrem ausgefeilten, filigranen und teilweise sehr Jazz-lastigen Vorgänger „Zombi“ von den Hamburgern nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Viele Stücke des letzten Albums klangen am Ende doch etwas gewollt und konstruiert. Auch live erlebte man damals eine Band, die meist eher erschöpft wirkte und nur selten die Dringlichkeit und Energie der „Summe der einzelnen Teile“ erreichte. Doch von diesem Burn-out-Syndrom ist nichts mehr zu merken: Kante haben sich einmal mehr gemorpht, wieder locker gemacht, hatten scheinbar viel Spaß an ihrem Zusammenspiel als Band und entwickelten dabei einen neuen energischeren Gitarrensound.

Im Podcast der Band, der Teile der Aufnahme-Session dokumentiert, sieht man das deutlich. Da steht eine echte Band im Raum und „haut auf die Tonne“, wie es Sänger Peter Thiessen selbst formuliert. Dabei setzt „Die Tiere sind unruhig“ den Vorgänger „Zombi“ thematisch fort: das Gefühl von Unbehagen. Man befindet sich in einer Zwischenwelt, Unruhe und Rastlosigkeit ziehen sich auch hier wie ein roter Faden durch die sieben Stücke. Das fängt schon an beim Titelstück, das mit flirrenden Gitarren anhebt, während Thiessen textet: „Die Tiere sind unruhig, die Kinder nervös / Der Himmel ist fleckig, die Wolken monströs / Ein Sturm ist im Kommen, es könnte jeden Moment passieren.“ Die Vorahnung von Umbruch und Veränderung zieht sich weiter. Stücke wie „Ich hab’s gesehen“ oder „Die Wahrheit“ rocken intensiv, sind voller lärmiger Gitarren. Inhaltlich ist das Ganze der derzeit verbreiteten harmlosen Befindlichkeitslyrik sowieso Lichtjahre voraus. Zum Lockerungsprogramm von Kante gehört dagegen der entspannte Groove von „Die größte Party der Geschichte“, das mit seinen HipHop-Referenzen angenehm aus dem Rahmen fällt. Felix Müllers Raps im Mittelteil sind jedenfalls erstklassig, und auch Peter Thiessen johlt hier „ganz logga“ am Ende zusammen mit dem Backgroundchor „Paadi, Paadi ...“. Das war wohl mal nötig und ist für mich, nebenbei gesagt, eines der größten Highlights der Platte. Am Ende fasst Felix Müller dieses Gefühl – wiederum im Kante-Podcast – zu meinem neuen Lieblingsspruch zusammen: „Gute Laune ist meine Lieblingslaune.“



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