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The Pipettes

»We Are The Pipettes«

Text: Marion Eberl
[4 Kommentare]

Unter Katzenaugensonnenbrillen mit Glitzersteinen pusten rot geschminkte Lippen eine verwegen große Kaugummiblase, die im richtigen Moment platzt. Dieses Szenario mündet in ein lässig aufreizendes „Komm mit, Süßer“ oder ein spöttisch abweisendes „Du bist es nicht“. „We Are The Pipettes“ – das sind vierzehn Songs über einen Mädels-Partysommer, der nicht zu enden scheint und in dem sich das Leben nur um das eine dreht: große Gefühle und dieses aufgeladene Spiel: Jungs. Auf ihrem Debütalbum entwerfen The Pipettes aus Brighton, deren Singles im UK bereits bejubelt werden, ein fröhlich-freches Pop-Theater, dem Indie-Melancholie und Gender-Problematik völlig fremd ist.

Der augenzwinkernd mehr ein- als mehrdeutige Name steht für die drei Sängerinnen Rose, Beckie und Gwenno, die zusammen mit ihrer Jungs-Begleitband The Cassettes die Zeit in die golden schillernde Welt der mittlerweile in Verruf geratenen Produzentengröße Phil Spector zurückzudrehen scheinen. Mit Bands wie beispielsweise The Ronettes und ihrem Hit „Be My Baby“ prägte er den 60s-Girl-Group-Sound und beeinflusste maßgeblich die Populärmusik der 60/70er-Jahre. Schwärmerisch nostalgisch orientiert sich das Album der Pipettes (u. a. Gareth Parton von The Go! Team produziert) an Spectors berüchtigtem „Wall of Sound“ – ist also gespickt mit dicht arrangierten Discostreichern und Klavierakkorden. Es entsteht eine zuckrige Pop-Collage aus 60s-Soul- und -Motown-Zitaten, die mit Garage-Orgel, Gitarren, Noise- oder Scratch-Elementen perfekt genrefremde Kleckse setzt. Dazu singen die Pipettes – mal solo, mal mehrstimmig oder auch im Dialog – rhythmisch klatschend süße DooWop-Melodien und klingen von Riot-Grrl-schrill bis mädchenhaft brav. Sie erinnern dabei zuweilen sogar an Sister Sledge und ihren 80s-Hit „Hey Frankie“ oder gar an Songs von den Bangles (und damit sei nicht „Eternal Flame“ gemeint). Auch live geht’s in Richtung Sixties-Girl-Group-Klischees. Die Girls tragen gepunktete Kleider und 60s-Frisuren, klatschen und tanzen synchron zu einstudierter Choreografie, während sich die im College-Style gekleideten Musiker im Hintergrund halten. Ihren besonderen Reiz gewinnen sowohl die Songs als auch die Live-Show aus dem Gegensatz von scheinbar bravem 60s-Pop zu kessen bis boshaft persiflierenden Texten über Affären, Liebe und Sex, mit Selbstironie und Witz erzählt aus dieser speziellen Perspektive „Frau“. In „Why Did You Stay“ beispielsweise, dem dritten Song des Albums, serviert eine selbstbewusste Lady ‘nen Typen ab, weil er ihr zu nett ist: „I was so cruel, ..., but he was so kind, ..., I’ve had just about enough of sweet.“ Dass es dabei konsequent um gute Laune und Komik geht, mag manchem zu wenig, zu einfach sein. Und die Vorstellung von krassen Ladys, die auf echte Kerle stehen und Weicheier belächeln, als neuem Female-Role-Model würde eher Bauchschmerzen bereiten. Aber mal wieder typisch Pop: Es ist ja (nur) Spaß.



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  • User: From Side To Side
  • From Side To Side 06.10.2006 | 23:26:02
    Do We Party?
    Die einen nervt's, die anderen nicht. Ich mag's. Bin aber mal eingeschlafen dazu, naja. Mein liebstes Lied von denen ist aber immer noch 'Guess Who Ran Off With The Milkman'.

  • User: Olai
  • Olai 06.10.2006 | 23:53:50
    Zeltparanoiker
    Meins auch! Sehr, sehr super. Das Album ist aber auch toll.

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