BEWERTEN
 

Jamie Lidell

»Multiply Additions«

Text: arno raffeiner

A little bit more: Jamie Lidell bietet nach seinem letztjährigen Albumerfolg “Multiply” Nachschub in Form von Remixen und Liveversionen an. Derlei Strategien sind bei gut angenommenen Produkten ja Usus und begründen sich eigentlich von selbst, haben im vorliegenden Fall aber noch ein schlagendes Argument auf ihrer Seite, nämlich eben Lidells Live-Performance, die mit famoser Neuinterpretations- und Improvisationswut die Stücke immer wieder neu erschafft bzw. im Zweifelsfall auch gerne kaputt macht. Von den “Multiply Additions” wäre im Grunde also einiges an schrägen Umdeutungen der Songs zu erwarten, aber unter diesen Vorzeichen fällt die Bilanz nicht wirklich üppig aus.

Lidell selbst verlegt sich in seinen alternativen Versionen und Konzertmitschnitten ganz auf die Schmusepower der Stücke, um seine Stimme auf Hochglanz polieren zu können; ein paar Freunde (Mocky, Luke Vibert) haben nette Remixe ausgeknobelt; Herbert verhackt zwei Tracks und brutzelt die Schnitzel in seinen typisch swingenden und scheppernden Grooves. Richtig hitzig wird es nur bei der deftig funkenden Freeform-Reform von “When I Come Back Around” und dem großartigen Four-Tet-Mix von “The City”. Außerdem beweist Mara Carlyle mit einer Coverversion, auf wie viel schmierigen Country-Schmalz Lidells Songwriting mitunter gebaut ist. Insgesamt ganz passabler Mehrwert also, aber wie wär’s statt solcher “Additions” mit der guten alten rockistischen Goldene-Kuh-Ausschlachtungs- bzw. Verlegenheitstradition: mit einem Live-Album?



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