BEWERTEN
 

The Divine Comedy

»Victory For The Comic Muse«

Text: Wolfgang A. Müller
[3 Kommentare]

Die Muse, die Neil Hannon küsste und ihn vor 16 Jahren The Divine Comedy ins Leben rufen ließ, darf stolz sein. Und Hannon selbst, der sich nach dem orchestralen Großwurf “Absent Friends” 2004 zunächst von der Bildfläche putzte, erst recht! Denn was da nun so en passant zwischen Auftragsarbeiten und Nebenprojekten aus seinem Ärmel ins eigene Töpfchen purzelte, fügt sich nicht nur zum bekannten Rausch aus Eleganz und pointiertem, höflichem Sarkasmus zusammen, sondern subsumiert auf kleinstem Raum die unterschiedlichen Qualitäten der Divine Comedy. Hier geben Anleihen bei Disco-Soul (“Diva Lady”) den schicken und schmissigen Hintergrund für beißende Bemerkungen gegen Hochglanzpersonen ab; dort schäumt das Orchester in herzzerreißender Melodramatik auf, während Hannon mit dem Timbre der Bestürztheit in fünf persiflierenden Minuten die Welt erklärt (“The Plough”).

Wo diese dann doch zu rätselhaft ist (etwa bei der Kommunikation zwischen den Geschlechtern), verweist der Nordire heiter auf “Arthur C. Clarke’s Mysterious World” oder gibt ganz rührig und zu pfiffigem Banjo-Picking an andere Experten ab: die Mama, “Mother Dear”. Textlich wie musikalisch erweist sich Hannon mit diesem streng symmetrisch aufgebauten Album wieder als Feinmotoriker allererster Güte, ob er sich trauriger Nostalgie einer “Lady Of A Certain Age” nähert oder “Party Fears Two” von den Associates mit Streichern aufpimpt. Und das bedeutet: Sieg auf ganzer Linie! Daher hier noch mal drei Fragen an Neil Hannon:

Du hast “Victory For The Comic Muse” selbst produziert. Empfindest du diesen Part als Erweiterung der kreativen Möglichkeiten im Prozess einer Plattenerstellung, oder ist das nur lästiges Übel, um nicht letztlich mit dem Album eines anderen dazustehen?

Für mich ist das Produzent-Sein kein übergeordnetes Ding, es ist einfach eine Erweiterung der Einflussnahme. Ich habe eine Idee, wie die Platte klingen soll, und wenn ich sie dann selbst produziere, kann ich mich nachher auch nicht über den Sound beschweren. Auch wenn ich das vielleicht manchmal dann doch getan habe.

Die Beteiligung welches von deinen diesmaligen Kollabo- und Featuring-Partnern hast du am meisten genossen?

Die einzig nötige Extra-Nennung ist die des wunderbaren Dougie Payne von Travis, der Bass spielt auf “Arthur C. Clarke’s Mysterious World”. Er ist Freund und glänzender Musiker gleichsam.

Okay, der Plattentitel ist wirklich sehr Divine-Comedy-mäßig und super-kokett. Aber wenn du im Pub stehen würdest und jemand wollte dich festnageln, wofür das Bild verdammt noch mal steht, was würdest du sagen?

Also, wenn ich wirklich im Pub wäre, würde ich wahrlich lieber über Frauen, Fußball oder sonst was sprechen als über meinen neuen Albumtitel. Aber wenn ich ihn meinen Drinking-Buddies nun doch erklären müsste, würde ich sagen, er hat den richtigen Sound, und ich hoffe, er stellt sich als selbst erfüllende Prophezeiung heraus.



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  • User: haru_specks
  • haru_specks 19.09.2006 | 15:37:24
    shine on
    ja wie? kein kommentar? kenne leider nur die single "diva lady".

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