Sonic Youth
»Rather Ripped«
[& Pearl Jam - Pearl Jam / VÖ: 02.06.2006 ]
Text:
T.L. Renzsche,
linus volkmann,
linus volkmann
Fleißig sein, relevant bleiben und das, ohne zu dem patinareichen Ufer des Muckertums überzusetzen. Wenn das einer Band gelingt: dann Sonic Youth. Und wenn diese Kompetenz einer Band schon längst so was von unter den Fingern zerronnen ist, dann Pearl Jam. Wir wollen uns hier natürlich vornehmlich dem Erfreulichen zuwenden, ist schließlich Frühsommer und sonst noch so einiges Gutes gerade am Laufen. Also Sonic Youth. Die wievielte ist das eigentlich? Kein Plan. Selbst wenn man statt der Alle-wichtigen-Nebenprojekte-müssen-mitgezählt-werden-Version nur die reinen Sonic-Youth-Releases zählte. Was hier aber auch nur beweisen soll, dass die Band eben größer ist, als jede numerische Erfassung dies ausdrücken könnte.
Aber genug Vorwissen, mal zu “Rather Ripped” konkret. Das Songwriting präsentiert sich gleich als sehr zugänglich, man hat es nicht mit einer spröden Platte zu tun, die ihren Reiz in der Verweigerung sucht. Es ist viel eher ein Album, das die Band mit allen Raffinessen einer großen Institution des Indierock zeigt. Und auf dem sie hier und da mal das Dissonante als Stilmittel hervorholen, das sonst viele ihrer Alben auf ganze Distanz geprägt hat. Den Krachexkursen zum Trotz werden die Songs von glasklaren Gitarrenmelodien getragen – was ja nun nicht gerade selbstverständlich für Sonic Youth ist. Der poppige Indierock, der auf “Rather Ripped” abgebrannt ist, ist reif, ist nicht der ultra-hippe der “Goo”-Ära. Und als ob es ihnen selbst fast schon unheimlich wäre, wie geschlossen schön das diesmal alles geworden ist, konnten sie wohl nicht anders, als es mit einem überaus punkigen Coverartwork zu brechen.
War noch was? Ach ja, Pearl Jam. Tja, auch ein so genanntes Alterswerk muss man sich hart erarbeiten, selbst wenn man vielleicht das Gefühl hat, man lebt eben von seinem Namen und kann in dem degenerieren, wie es gerade passt. Aber es geht ja auch anders: Neil Young und Sonic Youth beweisen das dieser Tage eindrucksvoll. Und selbst wenn es letztens an der Theke hieß: “Es darf keine Verrisse mehr geben”, hier ist trotzdem einer, denn auch nach dem Studium des 16-seitigen Rolling-Stone-Pearl-Jam-Specials bleibt kein anderes Urteil. Ebendort relativiert die Album-Besprechung, die Single sei nicht das beste Stück, die Gesamtheit der Songs entlohne aber. Heißt doch nichts anderes wie: Die Single ist kein Hit, jeder einzelne Song für sich genommen auch nicht – wenn man aber alles zusammenzählt, soll letztlich doch mehr rauskommen. Wer’s glaubt. Mit ähnlichen Reviews haben wir Vedder und Co. bis zuletzt auch immer noch den Rücken freigehalten. Aber vor dieses Stück Herren-Rock können und werden wir uns nicht mehr stellen. Eitles Muckergedröhne, das auch noch darauf stolz zu sein scheint, über all die Zeit nichts mehr mitzukriegen. Dazu ein Songwriting, das schwer nach Jam-Session und Abwesenheit von Inspiration klingt. Höhepunkte gibt es einfach keine. Lediglich noch zu erwähnen, dass das Artwork aussieht wie selbst gemacht und die CD daher zuerst bei uns in der Heimspiel-Sektion bei den Newcomern landete. Wer die Abkehr von den drögen Allstars immer noch nicht mitgehen möchte, dem sei als Allerletztes zumindest noch an die Hand gegeben, dass die Platte in den Saturn-Charts auf Platz #3 gehandelt wird. Immerhin und völlig zu Unrecht.
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