BEWERTEN
 

The Raconteurs

»Broken Boy Soldiers«

Text: Christian Steinbrink

Supergroup – was soll das eigentlich bedeuten? Bzw. wie kommt so was zustande? Wie leicht unterstellt man solchen Bandprojekten Erwägungen, Popularitäten Einzelner als Synergieeffekt bündeln und so neue Verkaufsdimensionen erreichen zu wollen. Trifft das hier, bei den Raconteurs, zu? Ihr Gründungsmythos lautet jedenfalls: Freundschaft. Sagen sie. Andere spekulieren über anderes. Aber bei genauerer Betrachtung stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich wirklich “Super” in dieser Group? Doch nur Jack White von den unerhört erfolgreichen White Stripes. Brendan Benson jedenfalls nicht, denn über den Status des Underground-Tipps ist er bisher noch nicht hinausgekommen.

Die anderen Bandmitglieder, Jack Lawrence und Patrick Keeler, sowieso nicht. Also keine Supergroup. Nächste Frage: Klingt “Broken Boy Soldiers”, das erste Album der Raconteurs, besonders nach dem bisherigen Schaffen einzelner Bandmitglieder, besonders poppig oder irgendwie doch ganz anders? Am ehesten Letzteres. Nach dem fragmentarischen Rumpelpop der White Stripes jedenfalls nicht, auch nicht nach dem Songwriterkram Bensons. Es klingt wie eine zurückgelehnte Southernrock-Platte, am ehesten mit Wilco vergleichbar. Richtig straff sind die Raconteurs eigentlich nur bei “Steady, As She Goes”, der tollen Hitsingle. Ansonsten sind sie verspielt, in Grenzen experimentell und unerhört kreativ. Auf jeden Fall gelingt ihr Konzept außerordentlich gut, denn sie klingen nicht nach einem in einer kleinen Zeitspanne initiierten Projekt, sondern nach einer richtigen Band mit Wurzeln, gemeinsamem Hintergrund, ebensolchen Vorlieben und einer Menge zusammen verbrachter Zeit. Zeit, die sie vornehmlich damit verbracht haben dürften, die besonderen Errungenschaften des Blues, des Folk und der experimentellen Psychedelik der Sechziger und Siebziger in sich aufzusaugen. Aufgrund ihres unbestreitbar besonderen Talents ist ihnen mit “Broken Boy Soldiers” eine wunderschöne, substanzielle und stimmige Platte gelungen, die jedenfalls für mich das gesamte bisherige Schaffen aller Bandmitglieder in den Schatten stellt. Und das will etwas heißen. Also doch: Freundschaft. Und das scheint nicht nur der ehrenwerteste, sondern auch der ergiebigste Grund zu sein, um eine Band zu starten.



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