BEWERTEN
 

Gnarls Barkley

»St. Elsewhere«

Text: Heiko Behr, Heiko Behr

Was könnten wir hier für schöne Geschichten erzählen, die hinter Gnarls Barkley stehen. Von dem hochbegabten Produzenten, der durch die Gunst eines gealterten Popstars ins gleißende Licht des Mainstream tritt. Von dem seelenvollen Sänger-Buddha und Ex-Indie-MC, für den die späte Anerkennung Balsam sein dürfte. Von dem Über-Hit, der als Download-Only nonchalant die englischen Charts knackte. Von Namensfindung, inszenierten Scharaden, ästhetischen Assoziationsmustern. Aber reden wir doch lieber über das Wichtige. Reden wir über – Musik. Nach einem hektisch-nachlässigen Neo-Gospel-Song führt uns das Duo Gnarls Barkley mit “Crazy” direkt in seine schräge Welt: “I remember when I lost my mind / There was something so pleasant about that phase / Even your emotions had an echo / In so much space.” In der folgenden guten halben Stunde schlingern Gnarls dann zwischen Entfremdung, Schizophrenie, Isolation und Einsamkeit hin und her.

Unglaublich, mit welch lässiger Geste sie uns hier immer tiefer und tiefer in ihre Abgründe hinabführen. Ein Al Green, gefangen in seinem dunklen Selbst, ein Isaac Hayes in der ewigen Nacht. Und all das in karamelsahnige Refrains gebettet. In “The Boogie Monster” thematisieren Gnarls dabei den Widerspruch, der diese Platte zu einem Meisterwerk macht: “The production is progressive but the chords are retro.” Dieser Produktion kann man sich kaum entziehen: ein perfekt austariertes Schwingen zwischen den Polen. Zwischen Avantgarde und Zugänglichkeit, Polyrhythmik und schnalzender Bassdrum, Reduktion und Instrumentenfülle, Sensibilität und dicke Hose. Man lacht sogar über die anzüglichen Plattheiten, so charmant abgefedert detonieren die Pointen. Vielleicht die perfekteste Popplatte in diesem Moment. DangerMouse und Cee-Lo sei Dank.



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