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Phoenix

»Its Never Been Like That«

Text: Henrik Drüner

Nach einer halben Stunde die Zäsur: „North“, der einzige Instrumental-Song. Keinesfalls ein Füller, denn erst diese Gitarren-Elegie bietet die Chance zum Revue passieren lassen, gibt Zeit zum Einordnen, was in den vergangenen dreißig Minuten an Melodiewahnsinn auf den Hörer eingeprasselt ist. Phoenix ging es darum, wieder ganz von vorne anzufangen, wie es Sänger Thomas Mars lapidar erklärt. Das Debüt „United“ ein stilistischer Dschungel aus Disco-House, Rock und Seventies-Funk voll hedonistischer Lebensfreude, lichtet sich beim Nachfolger „Alphabetical“ das Dickicht und offenbart den Reiz seiner unbekümmerten, charmanten Arrangements.

Auch mit „It’s Never Been Like That” schaffen es Phoenix, so unsagbar nett (im positiven Sinne) zu klingen, selbst wenn das Pompöse einer gewissen Rauheit und das Verspielte einer stärkeren Spontaneität gewichen ist. Direkt nach dem Haldern-Auftritt im vergangenen Jahr und insgesamt 150 Konzerten entstanden die neuen Songs in den Planet Roc-Studios im Berliner Osten, zu DDR-Zeiten noch Geburtstätte von Hörspielen fürs Radio. Das Album lebt auch und vor allem von den kleinen Momenten, beispielsweise den verzögerten Keyboard-Akkorden in der sparsamen Strophe von „Long Distance Call“; oder dessen Dynamiksteigerung über die Bridge bis hin zum Refrain, wenn Mars achtmal die entscheidenden Worte wiederholt, als könne er den Wahrheitsgehalt der Aussage dadurch erhöhen: „It’s never been like that“. Das von Roman Coppola gedrehte Video zur Single, gleichsam unauffällig und geschmackvoll, untermalt die eindringliche Szenerie: „Where to go I had no idea / 26.10 was the price to pay / A messed up kid with no ideals at all / I thought those 26.10 I shouldn't give ‘em away”. Ein Song wie „Sometimes In The Fall“, der sogar Strokes-Appeal in sich trägt, gewinnt entscheidend durch Mars’ sympathisches Timbre, auch dann, wenn er sich beinahe an der kehligen Endlosschleife des Wortes ‚long’ verschluckt. Das dritte Phoenix-Album strahlt weniger Hit-Charakter als die beiden Vorgänger aus, übergeht FreundInnen von Handtaschen-House komplett, doch es ist wesentlich konsistenter und nachhaltiger, mehr Album als Single-Umrahmung. Da können „One Time Too Many“ und „Lost And Found” ruhiger Gitarrenpop sein, und erst mit „Courtesy Laughs” wieder Fahrt aufgenommen werden - nie kommen die vier Franzosen in die Nähe von beliebiger Belanglosigkeit. Und wenn im Opener „Napoleon Says“ die Textzeilen „You do expect a Messiah / You want to be European / I would be your Bonaparte / Don’t ever care ‘bout what Napoleon says” ertönen, fragt man sich, wessen rechte Hand in einem Trenchcoat steckt, um dem wild schlagenden Herzen ganz nah zu sein.



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