BEWERTEN
 

Carla Bozulich

»Evangelista«

Text: andreas schnell, andreas schnell

Eigentlich ließe sie sich gut im Olymp großer Rock-Frauen vorstellen, neben PJ Harvey, Patti Smith und Lydia Lunch. Deren Erfolg hatte sie bislang zwar nicht, aber auf den soll es uns nicht ankommen. Carla Bozulichs umfangreiches wie verstreutes Werk umfasst Alben ihrer Bands Ethyl Meatplow und Geraldine Fibbers, eine Reihe Auftritte auf Mike Watts “Ballhog Or Tugboat”, ein wunderbares gemeinsames Projekt mit Wundergitarrist Nels Cline (Scarnella), die Neuinszenierung des Willie-Nelson-Albums “Red Headed Stranger” und noch einiges mehr an nicht selten randständigen Resultaten. Ein Wille zum Stil als solchem lässt sich daran weniger festmachen als das Streben nach einer möglichst unmittelbar berührenden Musik.

Nach der formalen Schlichtheit von “Red Headed Stranger” nahm Bozulich “Evangelista” in Montreal mit einem Rudel Musiker von u. a. A Silver Mt. Zion, Godspeed You! Black Emperor, Black Ox Orkestar auf, darunter ihre alte Fibbers-Kollegin Jessica Moss: ein Album mit eher offenen Formen, die auch bei einer streckenweise großen Besetzung und angesichts Velvet-Underground-gemäßem Lärmen noch schmerzhaft intim wirken, was vor allem mit Bozulichs vokaler Präsenz zu tun hat, die hier noch verletzlicher und verletzter, gebrochener klingt als sonst schon. Besonders schön kommt das in Bozulichs Version von “Pissing” (Low) zum Tragen. Darüber könnte man sich dieses dunkle, intensive Stück Musik erschließen. Wenn man nicht ohnehin schon dieser Stimme verfallen ist.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]