BEWERTEN
 

Bela B.

»Bingo«

Text: linus volkmann, linus volkmann
[2 Kommentare]

Muss doch ein Horror sein, wenn man eigentlich eigene Songwriter-Ambitionen pflegt, verkatert im Bett liegt und sich sicher sein kann, der bandinterne Gegenspieler steht garantiert schon wieder im Studio und nimmt Spuren auf, bis die Funken fliegen. So ungefähr dürfte es sein, in einer Band mit dem überproduktiven Asketen Farin Urlaub zu spielen. Autoren-Hegemonie ist halt immer auch ein Verdrängungswettbewerb. In den Bands von von Lowtzow oder Thees Uhlmann schrieben zum Beispiel anfänglich auch andere aus dem Team. Aber irgendwann war damit Schluss, eine Stimme setzt sich durch. Nun, und Belas GEMA-Konkurrent gilt ja nicht nur als Songmaschine, sondern ist einfach eine.

Kunststück, trinkt Farin dafür doch auch keinen Alkohol und besitzt keinen Fernseher. Himmelschreiend unfair. Umso erstaunlicher, dass sich der eher erdigere Bela nie hat unterkriegen lassen und es ihm immer wieder gelang, seine Stückequote bei den Ärzte-Alben zu erfüllen. Nun wird Farin ja seit geraumer Zeit durch seine Solo-Aktivitäten beschäftigt. Hier, tob dich mal schön aus, Langer. Doch diese neue Situation ist für Bela sicher auch nicht Entspannung pur. Denn in der konstruktiven wie realen Rivalität zwischen den beiden liegt der große Blonde durch diese Nummer-eins-Album-Bestätigung noch weiter vorn. Und die Fragen werden lauter: “Bela, machste auch mal solo, oder willste wirklich nur der Rocker-Schauspieler sein?” Dabei existierte die Antwort dazu eigentlich schon seit Jahren. Und die hieß: Bela, der macht einfach eine Sammlung seiner besten Duette mit weiblichen Stimmen. Von Jasmin Wagner bis Charlotte Roche, da hat er Diverses über die Jahre angehäuft, das dürfte ziehen, und alles klar.

Nur erschien dieses prognostizierte Ding komischerweise nie, stattdessen gibt es jetzt ein echtes Solo-Debüt. Mit nur neuen Stücken. Sieh an. Geholfen haben ihm illustre Gestalten wie der Steh-Bassist der Psychobilly-Crew Mad Sin, produziert hat Olsen Involtini (aus der Marianne-Rosenberg-Posse), und live trommeln in seiner Band Y Los Helmstedt soll Danny Young (Ex-Gluecifer). Okay, kann ich noch was von Wikipedia abschreiben, oder soll doch mal auf die Songs zu sprechen gekommen werden? Gut, gut.

Bela setzt nicht so auf die bollerigen Punk-Miniaturen wie “Monsterparty” oder “Als Ich Den Punk Erfand”, sondern mehr auf die düsteren Echtzeit-Rocker aus einer seiner besten Ärzte-Phasen, in denen so was wie “Mystery Land”, “Dein Vampir” oder “Meine Wilde Welt” entstand. Pointiert, manchmal schüttelreimiger als nötig – so läuft’s erst mal. Und Stücke wie “Sie Hat Was Vermisst” oder “Irgendwas Bleibt” sind dann auch endlich mal wieder ungebremster als zuletzt von romantischen Motiven durchzogen. Natürlich nur, bis er dessen gewahr wird und wieder mit Quatschigem querschießt. Diverse Songs waren zu Rezensionsbeginn (und -ende) noch nicht fertig. Und so bleibt offen, ob es nicht vielleicht einen Überhit wie das bis dato unübertroffene “Rock’n’Roll-Übermensch” geben wird. In jedem Fall aber kann Bela zufrieden sein, hiermit trotz Alk und TV einen ähnlichen Solo-Erfolg wie Farin ansteuern zu dürfen.



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  • OneTwoThree 19.06.2009 | 13:02:02

    Er ist und bleibt mein Traummann *schmacht* =)

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