BEWERTEN
 

The Fiery Furnaces

»Bitter Tea«

Text: Henrik Drüner, Henrik Drüner

Sprachliche Annäherungen an The Fiery Furnaces beinhalten verblüffend oft mehrere Elemente aus dem Wortfeld “merkwürdig”, also abwegig, seltsam, skurril, rätselhaft, strange, überspannt, bizarr. Es scheint, als versuchten die SchreiberInnen, mit Hilfe dieser Adjektive und Attribute einen Schutzwall zu errichten, um sich so vor der Musik zu schützen. Musik, die unvorbereitet Haken schlägt, wenn man gerade zupacken möchte, die manches Mal Ratlosigkeit hervorruft und einem unvermittelt ins Gesicht lacht. Wer glaubt, “Bitter Tea” würde da eine Ausnahme machen, sieht sich getäuscht.

Das New Yorker Geschwisterpaar Matthew und Eleanor Friedberger experimentiert fröhlich weiter, nur fünf Monate nach dem letzten Album “Rehearsing My Choir”. Während sich dessen Stücke um Großmutter Friedberger drehten, kommt jetzt der Enkelin-Nachschlag. Konventionelles Songwriting wird wie gewohnt vor dem Proberaum an die Garderobe gehängt, Eleanor kümmert sich vorrangig um Gesang und einige Percussion-Spuren, Matt um die restlichen Instrumente und die Produktion. Dazwischen: unzählige Tempo- und Stilwechsel, heterogene Arrangements – aber trotz allem richtig charmante Songs. Bisweilen kommt dabei Art-Rock mit Cembalo-Tasten (“I’m On No Mood”) heraus, dann wieder Underground-Pop (“Police Sweater Blood Vow”) oder der im dezenten Groove fließende, mehrfach unterbrochene “Benton Harbour Blues”. Fordernd ist das allemal, besonders bei der “Whistle Rhapsody”, die im Verlauf eher einer Distortion-Kakophonie ähnelt. Hier gibt sich zumindest die eigens eingerichtete Schublade “Sissy Psychedelic Satanism” die Ehre.



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