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Matmos

»The Rose Has Teeth In The Mouth Of A Beast«

Text: Jan Kedves
[12 Kommentare]

Matmos spielen Menschen. Und führen so das, was im Kontext elektronischer Musik vorher höchstens Ekkehard Ehlers mit seiner “Plays ...”-Reihe versucht hat, zur Perfektion: Biografien vertonen. Larry Levan discofunken. William S. Burroughs rhythmisch tippen. Joe Meek echokammern. Patricia Highsmith vernebeln. “Soundporträt” heißt das Zauberwort. Drew Daniel und Martin C. Schmidt, die schwulen Björk-Buddies aus San Francisco, kennen keine Berührungsängste, denn als – wie sie immer wieder betonen – nicht klassisch ausgebildete Musiker freuen sie sich über jeden neuen Ansatz der Musikgewinnung.

Warum nicht biografische Bits von Ikonen – philosophischen, pornografischen, privaten – nachstellen, samplen, zu Tracks verbasteln; dann noch Künstler bitten, Bilder für das Booklet zu malen, und so auf dem Weg zum Allround-Kunstwerk, das hör-, les- und betrachtbar ist, erstaunlich weit kommen? Dass auch noch das Kronos Quartett, Frau Gutmundsdottir und Antony dazu beitragen, ist eigentlich unwichtig, wird aber das öffentliche Interesse steigern. Man hört hier Mörder, Selbstmörder, den Drogen Verfallene, Melancholiker. Musique concrète zwischen Genie und Wahnsinn. Was sich leider viel düsterer liest, als es sich anhört. “The Rose Has Teeth ...” ist nämlich Matmos’ bislang poppigstes Werk. Und taugt so streckenweise sogar zur unaufdringlichen Hintergrundbeschallung einer gediegenen Google-Session. Also: Wer war noch mal Boyd McDonald?

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Menschen in Soundporträts festzuhalten?
DD: Passenderweise in einem Museum. Vorletztes Jahr hat uns ein Museum in San Francisco eingeladen, artists in residence zu sein. Das haben wir ganz wörtlich genommen: Wir sind mit unserem Studio in das Museum eingezogen.
MCS: Wir waren die Installation und haben 17 Tage lang acht Stunden täglich in dem Museum gearbeitet.
DD: Unsere Idee war, Songs über die Museumsbesucher zu machen. Ich habe morgens die erste Person, die hereinkam, etwas über sich erzählen lassen, und dann haben wir im Laufe des Tages anhand dieser Informationen einen biografischen Song gemacht und auf CD gebrannt. Daher kam die Idee, dass man das Leben eines Menschen als Struktur für einen Song nutzen kann.

Fiel es euch dann schwer, euch für das Album auf eine Liste von zehn Menschen, die ihr bewundert, zu einigen?
MCS: Ja, wir haben viel gezankt.
DD: Die meisten Ideen kamen von mir, weil es ja eines der Matmos-Alben ist, für die wieder ich verantwortlich bin. Aber William Burroughs zum Beispiel war Martins Vorschlag. Larry Levan wollte er mir zuerst ausreden. Patricia Highsmith wollten wir beide auf jeden Fall machen. Über manche Personen gab es sehr viele Informationen, über manche noch kaum welche, weil noch niemand eine Biografie geschrieben hat. Das war interessant: Je mehr man über jemanden weiß, desto bewusster wird man sich darüber, dass man ihm in einem Track gar nicht gerecht werden kann. Der Song über König Ludwig II. zum Beispiel handelt ja nicht wirklich von seinem Leben, sondern eigentlich nur von Viscontis Film mit Helmut Berger.

Apropos Film: Das Konzept, zur Soundgewinnung Szenen aus dem Leben der Porträtierten nachzustellen, klingt so theatralisch, dass man sich wundert, warum ihr nicht gleich eine DVD dazu veröffentlicht ...
MCS: Es ist schon anstrengend genug, eine ordentliche Audio-CD zu machen!
DD: Ja, DVD war einfach nicht das Medium, das wir im Sinn hatten, als wir mit dem Projekt angefangen haben. Wobei wir einige der Nachstellungen durchaus gefilmt haben. Wir werden sie als Videos bei unseren Konzerten zeigen. Zum Beispiel, wie wir für “Banquet For King Ludwig II Of Bavaria” die billigsten Teller und Gläser zerschmettern, die wir in einem Ramschladen finden konnten. Es macht so viel Spaß, shoppen zu gehen und nur Dinge zu kaufen, die man zerstören wird!



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  • User: alienne
  • alienne 29.04.2006 | 18:50:40

    .. hach, das geht mir ans herz.

  • User: siad3000
  • siad3000 29.04.2006 | 23:06:27

    Der Track ist wirklich sehr geil

  • User: alienne
  • alienne 30.04.2006 | 15:12:48

    ich war jetzt mehr bei dem interview schnipseln und dem andere interview zur neuen platte das ich im hinterkopf habe und überhaupt.
    ich bin ein bisschen verliebt in matmos.

  • User: alienne
  • alienne 30.04.2006 | 16:20:40

    der erste eindruck beim hören des albums:
    ein wirklich schönes album.

  • User: alienne
  • alienne 02.05.2006 | 12:28:40

    ich bin immernoch beim ersten eindruck, gell.
    aber ich finde sie ziemlich poppig, und es macht spass sich neugierig auf die biographien machen zu lassen.
    sie ist vor allem also erstmal anders als the civil war.

  • weiche zäune 02.05.2006 | 13:29:45
    love love love yeah
    ja schöne platte, ziemlich poppig und nicht mehr ganz so verfrickelt, dabei aber immens kontextgesättigt und wissend. bin dennoch nicht ganz glücklich damit. ich empfinde das alles als sehr distanziert und kalt, obwohl ihnen an den portraitierten leuten doch offenbar mehr liegt als nur eine historische abbildung.. tja.. in dem kontext und musikalisch gibt mir jamie stewart / xiu xiu einfach viel mehr.. "he talked to me like I was smart.."

  • User: alienne
  • alienne 02.05.2006 | 19:24:02

    @weiche zäune:

    ich kenn mich jetzt mit xiu xiu nun garnicht aus, aber dir ist schon aufgefallen, dass matmos z.b keine texte haben und keine songs machen und so? äh... also mir scheint grade, dass... also:

    kann man das überhaupt vergleichen? genau! da sitzt grad mein unverständnis.


    und wenn matmos z.b rumprobieren wie man dann doch aus den recht stillen schnecken sounds herausholen kann (ohne sie zu zermatschen oder zu knacken wohlgemerkt), dann weiss ich nicht wie du das jetzt unter kalt, distanziert bzw 'nur historische abbildung' ablegst...?

    also mal genauer nachgefragt:
    findest du es innerhalb von matmos arbeitsweise kalt und distanziert, oder hast du eher zugang zu anderen arbeitsweisen (die ich jetzt bei xiu xiu auf grund deines textzitats mal vermute). oder noch ganz anders?

  • weiche zäune 03.05.2006 | 11:55:33
    love love love yeah
    nein normalerweise habe ich eher schwierigkeiten mit texten und gesang. rockbands interessieren mich auch eher selten bis gar nicht mehr. das ding ist halt: xiu xiu machen ziemlich experimentelle elektronik/drone musik und darüber singt jamie stewart, teilweise sehr schmerzhafte dinge. dennoch funktioniert xiu xiu wie gute ambient-elektronik. die musik und der gesang sind oft sehr krass, lärmig und schräg aber dann doch gleichzeitig sehr ruhig und intim. das finde ich im gegebenen kontext interessanter als matmos, die mir immer ein wenig überproduziert vorkommen. mit kühl meinte ich weniger die klangästhetik als die extreme perfektion, sauberkeit und fehlerfreiheit in produktion und arrangement die matmos inzwischen haben. selbst der digitale dreck der in einzelnen sounds noch drin ist ist nochmal extra aufpoliert um noch besser als dreck ausgestellt werden zu können (ifyouknowwhatimsayin).. nehmen mit einem 2000dollar-mikrofon eine schnecke auf, obwohl sie so ein schleifen und brummen auch viel einfacher hätten haben können. konzeptuell ist das natürlich top.

    xiu xiu habe ich als vergleich genommen weil jamie stewart halt auch immer einen explizit queeren kontext einbringt und das eben nicht nur in den texten..

    und bitte nicht falsch verstehen: matmos sind natürlich in so gut wie jeder hinsicht interessanter und spannender und toller als praktisch alle bands die in diesem forum so abgefeatured werden. wollte nur zum ausdruck bringen dass mir die neue platte nicht 100% gefällt..

  • User: alienne
  • alienne 03.05.2006 | 13:20:19

    ha... siehste! jetzt verstehe ich's besser.

    ich habe matmos mal live gesehen, und eigendlich habe ich danach erst so richtig zugang zu ihrer musik bekommen, da ich miterleben konnte wie sie da so sounds produzieren und die dann zu musik zusammenfrickeln. (nein es gab keine live fettabsaugung auf der bühne ;-)
    von daher kommt mir das jetzt garnicht so aufpoliert vor.

    (die schnecken haben übrigens laser-teremin gespielt, irgendwo auf der matmos seite oder so gabs nen link zu einem video interview, das war sehr nett, da haben sie ein bisschen was erzählt zu der neuen platte)

  • weiche zäune 03.05.2006 | 14:40:47
    love love love yeah
    ja das schnecken-ding haben sie in einem wire-interview mal erwähnt. das ist wohl so eine art spezialangefertigter midi-controller, der "ohne anfassen" funktioniert (also wie ein theremin) und kleinste bewegung in tonhöhenunterschiede übersetzt. die Idee ist natürlich schon super, aber halt auch ein bischen übertrieben auf "weird scientist" art. den brummton der da letztlich bei rüberkommt hätten die sicher auch einfacher kriegen können.. aber auf angenehme weise dekadent ist das schon.. brian eno hat ja auch ein röntgengerät im garten um zu sehen wie die pflanzen auf die strahlen reagieren..

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