BEWERTEN
 

Delbo

»Havarien«

Text: Alexander Lazarek, Alexander Lazarek

Delbo werden von einer wachsenden Fanschar für den genialen Gegenentwurf zum Großbahnhof Deutschrock gehalten. Zu Recht. Der Blick durchs “Havarien”-Prisma bricht die Welt neu auf, erobert wie der Vorgänger “Innen/Außen” jene kristallene Luft zurück, die uns von all den Schulterklopfismen und Umarmungen der letzten Jahre aus der Lunge gepresst wurde, und schlägt ein großes Loch aus ticktricktrackiger Dringlichkeit ins vermeintlich Sichtbare. Dahinter liegt eine unbekannte Maschine grobkörnig in der Landschaft, tuckernd und lückig, mit der Frage, wer hier wen oder was umkreist.

In den Songs von Delbo laufen Schlagzeug, Gitarre, Bass, Klavier und Gesang geradezu körperlich gegen- und aneinander entlang, als Erzähler und Spurensucher gleichberechtigt im Korridor aus diffusem Licht und bekopft mit einer sensationellen Sprache zwischen Worträndern und Wahrnehmungskanten. “Wir kommen ohne Wort davon”, heißt es da, oder “Es zieht dich fort von hier, mit deiner Hand als Flamme, und meiner Hand als Ort” oder “Für das Atmen muss ich zurück. Wie das Atmen wollen wir weiter”.

Die Gitarre bricht nur ein einziges Mal los, und der Groschen fällt und fällt immer weiter, kommt nie an und weiß nie, ob das an der Schwerelosigkeit oder den sich drehenden Systemen liegt. “Havarien” ist ein Wunder, das inspiriert und verwirrt wie eine Thai-Chi-Stunde mit Ich-Maschine, Shellac und Karate, unruhig, mit Fokus auf die Mikrosekunden zwischen den Augenblicken, scharf, frei und zwingend wie der weiße Raum mit Monolith am Ende von Kubricks “2001”.



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