BEWERTEN
 

Trost

»Trust Me«

Text: Barbara Schulz

Der erste Eindruck täuscht. Da sitzt Annika Line Trost, die schwarzhaarige Hälfte der sonst eher krawalligen Berlinerinnen Cobra Killer, in ein adrettes Kleid gehüllt mit einem Schwan auf einer Art Krankenhausliege und schaut einen an. Das Bild wird gebrochen von zwei dicken Narben, die Frau Trost am Knie mit sich herumträgt und die der Musik auf dieser CD auf seltsame Weise entsprechen. Zu Beginn ihrer zweiten Soloplatte, die in Australien und Berlin mit illustren Musikern wie u. a. Tom Carlyion und Conrad Standish (The Devastations), EffJott Krüger (Ideal) und Thomas Wydler (Nick Cave And The Bad Seeds) eingespielt wurde, führt uns Trost in die Wüste.

Es erklingt ein reduziertes Surf-Stück mit ebensolcher Gitarre, das zum Schunkeln und Mitschnippen einlädt. Dazu ein sanfter Refrain: “Cowboy, wo ist dein Pferd? Cowboy, wo ist die Prärie? Cowboy, wo ist dein Traum? Ich sah ihn hängen am höchsten Baum.” Klingt komisch? Macht aber Sinn, wenn man’s hört. Dem folgen ein paar schleppige Rock’n’Roll-Songs (“This Strange Someone”, “Man On The Box”, “The Scales And The Score”). Dazwischen einer der Hits dieser Platte: Frau Trost beschreibt in “Wrong”, was alles falsch war und ist. Dazu braucht’s nicht mehr als ihre schöne Stimme, einen leicht britischen Akzent, ein Klavier und fluffige Percussion: “My apartment was wrong, the whole city is wrong, does it really mean that I am wrong?” Sehr schön. Danach sehnt man sich nach Lärm, und der folgt aber auch gleich wieder auf dem Fuß mit “Sans Ta Scie”, einer flotten Komposition mit kuscheliger Orgel – okay, es sind viel zu viele Kirchenglocken drin, ansonsten ist das Stück sehr geeignet für eine Party, die morgens um vier, wenn das Bier alle ist, noch mal kurz gerettet werden will. Inklusive schrecklich-schönem Gitarren-Solo. Danach ein prima Rausschmeißer für die gleiche Party, ein naiv-hübsches Liedchen mit dem passenden Titel “Even Sparrows Don’t Like To Stay”. Was folgt, ist das beste, sozusagen das Herz-Stück von “Trust Me”, ein bluesiges Mantra namens “Black”, das irgendwie an Joana Newsom erinnert, nur mit runtergepitchter Stimme und ohne Harfe, dafür mit lulliger Western-Gitarre: “Black, you are my enemy, and I can not get close to thee. The only way that I can see is to hold you close to me, to love you ... I weaken your attack.” Plötzlich quietscht sich die Gitarre für Sekunden ins Herz des Hörers, und man will mehr davon. Gibt’s aber nicht. Stattdessen fliegt einem ein nervig verhalltes Stück mit flotten Beats um die Ohren. “Guy Le Superhero”, das unverständlicherweise auch als Single ausgekoppelt wird. Schade. Dabei hat Frau Trost solche Sperenzchen gar nicht nötig, denn die Lady ist ein schöner broken Cowboy, und davon wollen wir noch viel mehr hören. Vielleicht beim nächsten Mal.



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