BEWERTEN
 

Schneider TM

»Škoda Mluvit«

Text: Sebastian Ingenhoff

Bekanntlich gibt es ja so ca. 16.000 verschiedene Coverversionen von den Smiths. Nicht wenige davon sind schier unvorstellbarer Mist. Eine gewichtige Ausnahme bildet das Stück “The Light 3000” von Schneider TM und Kpt. Michi.gan, welches auch im hinsichtlich Frickel-Elektronik etwas renitenten England recht erfolgreich war – nicht zuletzt dank John Peels Mithilfe. Über Morrisseys Meinung (auch nicht gerade so der Typ Stockhausen) gibt es widersprüchliche Meldungen. Nun, jetzt könnte man einwenden, dass es eine ziemliche Unverschämtheit ist, einen Künstler gleich dermaßen auf ein Lied festzunageln, zumal das Original nicht von ihm ist, aber “The Light 3000” musste hier einfach noch mal Erwähnung finden.

Ein Meilenstein der Klangtüftler-Popgeschichte. Lange stritten sich die Geister, wo man diese von Nussknackergeräuschen durchzogene Musik aus Ostwestfalen und Weilheim in die Koordinaten dieses so liebevoll segmentierten Systems Pop einzugliedern habe. Für viele war Ostwestfalen ja nur ein utopischer (Nicht-) Ort, so wie Moureaus “Island”, ein Mythos, der lediglich in der einschlägigen Heldendichtung besungen und befeuert wurde. Bis man dann nach Jahren und einem Blick auf die Landkarte herausfand, dass es einen Ort namens Bielefeld tatsächlich gibt und das Ganze kein alberner Promogag war. Dieses Problem des “Einortens” hat Schneider TM nunmehr gelöst: Er ist einfach nach Berlin gezogen. Prenzlauer Berg. Zwar eher Dys- statt Utopia, aber definitiv ein Ort. Mit seiner neuen Platte “Škoda Mluvit” gibt Schneider TM den Hörern nun wieder Rätsel auf. Da wäre zunächst der Albumtitel – der ist Tschechisch und bedeutet so viel wie: “Es ist schade, überhaupt darüber reden zu müssen.” Nun ja, muss man wohl oder übel als Musikschreiber. Über die Musik. Diese erscheint beim ersten Hören ziemlich erratisch, immer vor einem Zentrum flüchtend, ohne dass dieses “nicht auf den Punkt gebracht sein” nerven würde. Dirk Dresselhaus versucht sich nämlich an so ziemlich allem, was distinguierter Pop so hergibt, und das nicht ohne Erfolg. Sigur-Rós-mäßige Traumlandschaften mit ausladenden Gitarrenflächen und wahnsinnig schönem, sehr zurückgenommenem Gesang werden gemalt, HipHop der pfiffigeren Art, wie ihn beispielsweise das Label Anticon veröffentlicht, gemacht, Folk mit HipHop-Elementen gemischt, wie man ihn ebenfalls von Anticon kennt (z. B. Why?), dann wiederum gibt es einige Stücke, die wie ausgedünnte Versionen neuerer Notwist-Songs klingen. Ich meine natürlich im pfiffigen Sinne ausgedünnt. Überhaupt Notwist. Auch die haben sich ja irgendwann einmal dem großen Pop geöffnet. Womit sich der Kreis schließt. Bekanntlich hatte Schneider TM seine ersten elektronischen Gehversuche zusammen mit den Weilheimern in deren Familienband Family Affair (Affair ist Englisch und heißt übersetzt so viel wie Acher). Was muss man noch sagen zu dieser Platte? “Things get better when life is not a loop”. Eine große Geste, dieses Album.



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