BEWERTEN
 

Adem

»Love And Other Planets«

[Psapp - The Only Thing I Ever Wanted / VÖ: 21.04.2006 ]

Text: Christian Steinbrink

Trotz der vielen großen Namen – meine Lieblinge auf dem Domino-Label sind und waren eigentlich immer schon zwei kleine. Zum einen der großartige James Yorkston, zum anderen das Männlein mit dem unscheinbaren Namen: Adem. Die beiden hatten, obwohl weder Styler noch Aufsehen erregende Klangforscher, einfach den ausdrucksstärksten Folk, die komplexesten Stimmungen, das größte Talent. Wir dankten es ihnen mit erbärmlich leeren Konzertsälen oder unterfinanzierten Supportgigs, wenigstens hierzulande. Erklär mir die Welt. Doch während Yorkston trotzdem schon eine ganze Reihe Alben und vor allem EPs vorgelegt hat, ließ Adem nach seinem Debüt “Homesongs” lange mit einem Zweitwerk auf sich warten.

Nun ist es da, und es ist ein Meisterwerk. Sein Folk wirkt noch ein ganzes Stück zwingender und origineller, seine sehr variablen Arrangements sind atemberaubend, und seine Stimme ist eine der schönsten der britischen Inseln geworden. Sie besitzt eine kleine Ecke Chris-Martin-Harmonie, die Poesie von Mark Hollis und ein gutes Stück Nick-Drake-Ausdrucksstärke. Überhaupt Nick Drake. Wer wurde in den letzten Jahren nicht alles in die Reihe seiner Nachfolger gestellt? Alles falsch: “Love And Other Planets” ist der wahre Nachfolgeanwärter von “Pink Moon”. Und nichts anderes. Ein Album zum Hineinlegen.

Dass das Zweitwerk von Psapp dagegen nur abfallen kann, ist klar. Trotzdem ist “The Only Thing I Ever Wanted” ein sehr gutes Album geworden. Psapp sind ja einer der wenigen europäischen Domino-Acts, die keine originäre Domino-Entdeckung sind. Ihr erstes Album kam hierzulande über Groenland, und es machte ihr neues Label offensichtlich so scharf, dass es sich die Rechte für den Nachfolger sicherte. Und der passt auch vorzüglich ins Labelprogramm. Denn er hat ähnlich songorientierte Knuspersounds wie z. B. die wundervolle Juana Molina und in rasanteren Momenten einen kurvenreichen Drive wie Max Tundra, immer wieder etwas gebremst durch den ausgiebigen Einsatz von Broadcast-Orgeln. Trotzdem führt der Weg Psapps immer zurück zum Popsong, und dieser Hang zum Kompromiss verhinderte vielleicht, dass die Band ihre Fähigkeit, wahnsinnige Sounds zu generieren, vollends auslebte. Das hätte auch toll werden können. Aber wer bin ich, mich trotz eines Albums wie “The Only ...” beschweren zu wollen?



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