BEWERTEN
 

Tom Brosseau

»Empty Houses Are Lonely«

[Fat Cat / Indigo / VÖ: 31.03.2006 ]

Text: Lutz Happel

Man drückt auf Play und kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Musik von ganz weit her kommt, denn vieles auf "Empty Houses Are Lonely" könnte, abgesehen von der tollen Aufnahmequalität, auch vor 50 Jahren entstanden sein. Tom Brosseau singt mit seiner fast schon prätentiös hohen, aber dennoch sehr disziplinierten Stimme von einsamen Tälern und verlassenen Herzen, von kalten Sommern in North Dakota und unterkühlten Beziehungen, er spielt Gitarre, vor ihm steht ein Mikrofon und mehr nicht. Seine Songs handeln nach eigener Aussage von "abandoned buildings, new love, the praireland, being haunted, roaming around and being thrilled and killed." Es ist also eine Musik, die sehr weit zurückgreift, die sich fast schon aufdringlich in eine amerikanische Tradition stellt, die weniger von Bob Dylan oder Leonard Cohen, sondern eher von Jimmy Rodgers, Hank Williams oder Woody Guthrie handelt.

Der Hobo, das On-the-Road-Sein, der ganze klischeehafte Mythos des klischeebesetzten Amerikas, alles schimmert bei dieser Oldschool-Folk-Referenz irgendwie durch. Man merkt, dass sie Teil sein will der großen endlosen amerikanischen Erzählung über sich selbst, und das wird sehr puristisch, sehr klar und eindringlich vorgebracht, ist aber in meinen Ohren letztendlich in seiner Perfektion und Berechenbarkeit eher nicht, was es so gern sein will: soulful. Vielleicht ist dieser viel beschworene amerikanische Mythos eher der Mythos Amerikas aus der Sicht des Europäers. Keine Ahnung, jedenfalls scheint es so, als ob von dieser Warte aus das ganze Ausmaß dieser Folkerzählung wirklich schwer zu fassen ist.




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