BEWERTEN
 

Johnny Dowd

»Cruel Words«

[Munich / Indigo]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Es gibt nur wenige Künstler, die dem Country-Genre entstammen und dennoch stets unberechenbar bleiben. Johnny Dowd, ursprünglich Möbelpacker, ist eine solche Ausnahmegestalt. Er erzählt bitterböse Geschichten, schnoddert Lebens- und Leidens-Geschichten dahin, die bei jedem Vier-Uhr-Tee für Schamesröte sorgen würden, und erfindet sich derweil auch musikalisch immer wieder neu. \"Cruel Words\" kommt inzwischen ganz ohne Westerngitarre aus, ist mit präzisen Beats und groovender Hammondorgel eingespielt worden. Bizarr nehmen sich nur die Metal-Gitarren aus, die ab und zu zwischen seinen Worten in die Stücke sägen. Aber auch das bleibt verzeihbar, halbwegs erträglich.

Doch die eigentliche Kunst von Johnny Dowd ist seine Reduzierung: Über weite Strecken verzichtet er auf Gesang, klingt eher, als würde er eine Poetry-Lesung abhalten. Spoken Words zu schlichter Begleitung, vergleichbar mit dem legendären \"Prison\"-Album von Steven Jesse Bernstein. Schwächen hat das Album daher nur dann, wenn es zu musikalisch wird. Was allerdings keine Schwäche, sondern eine schöne Verlinkung der Kräfte darstellt: der Gastauftritt von Sally Timms und Jon Langford von den Mekons.



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