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Dresden Dolls

»Yes, Virginia«

[Roadrunner / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

\"Weimar\", \"Cabaret\", \"Brecht\" oder \"Weill\" waren die Reflexionsbojen, die, wahllos kombiniert, die allermeisten Besprechungen des Dresden-Dolls-Debüts von vorne bis hinten durchzogen. Genau so hat es die Band auch immer gewollt. Siehe weiße Schminke, Melonen und vollmundige Selbstbezeichnungen wie \"brechtian punk cabaret\", die übrigens bis heute auf ihrer Website zu lesen sind. Diese schon sehr spezielle Nische wäre Amanda Palmer und Brian Viglione also sicher - und zwar auf ewig, würde es die Band darauf anlegen. Man muss glücklich sein, dass sie es nicht tut. Dass sie offenbar doch keinen Wert darauf legt, als dieses Wunderling-Gimmick der Popkultur durchgewunken zu werden.

Nicht nur, weil der zum Teil schablonenhaft-artifizielle Gestus der letzten Platte regelmäßig von den wirklich großartigen Songs ablenkte, die sich dahinter verbargen. \"Yes, Virginia\" (vielleicht ja schon via Titel als Absage an den pausenlos gedroppten Weimarbezug gemeint) ist nicht weniger als eine große Überraschung. Die Schminke ist weitestgehend runter, der Lack noch lange nicht. Mit einer Abkehr von Pathos generell hat das gar nichts zu tun - Songs wie \"Sex Changes\" oder \"My Alcoholic Friends\" erzählen nach wie vor mit großer Geste große Geschichten. Aber in der Trickkiste liegt jetzt eben nicht mehr die \"Dreigroschenoper\" - falls sie das wirklich jemals tat. Eher ein Mates-Of-State-, Quasi- oder Blackheart-Procession-Album. So geht es mit Stakkato-Klavier und Post-Hardcore-Drums durch dreizehn Stücke, darunter auch etliche bewegende Balladen (wie zum Beispiel \"Delilah\"). Und bei denen soll wirklich niemand zwinkern oder verschmitzt lächeln. Das hier ist ernst, ungekünstelt, geradliniger als zuletzt, aber eben doch wieder voll bepackt mit Pathos - dem Pathos eines guten Sonic-Youth- oder Blonde-Redhead-Albums.



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