BEWERTEN
 

Placebo

»Meds«

[Virgin / Emi / VÖ: 10.03.2006 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Diesmal haben sich die drei boyishen London-Hamster wirklich Zeit genommen. Los ging es mit \"Meds\" nämlich bereits Ende 2004. Placebo zogen sich in die beliebte Idylle Südfrankreichs zurück, um an ihrem mittlerweile fünften Album zu arbeiten. Fünftes Album? Da kann man ruhig mal innehalten. Und strategisch (meinetwegen auch künstlerisch) denken: Jetzt immer weitermachen im antrainierten Sound oder mal das Schicksal herausfordern und die höchst riskante Karte \"wir haben uns neu erfunden\" spielen? Bezüglich \"Meds\" hörte man in der Internetkantine sehr viel hinsichtlich der Geschichte mit der Karte. Ein rein elektronisches Album, mit dem die Band schon seit Ewigkeiten liebäugelt, würde es werden.

Die beliebten Abholergitarren wären damit passé, die neue Platte erinnere eher an die elektronisch depressiven Depeche-Mode-Panzer. Weiteres Indiz für diese Vermutungen: Man lud sich ins Studio Elektro-Koryphäen wie Dimitri Tikovoi (u. a. Remixer für Goldfrapp). Das Ergebnis überrascht dann auch, aber eben in dem Sinne, dass es doch wieder derart klassisch nach Placebo klingt. Verändert findet sich in Maßen die Basis der Songs, alles ist ruhiger arrangiert und zielt weniger auf die abgedunkelte Indie-Tanzfläche in kleineren Großstädten. Molko nannte das in einem Interview schlicht \"unmittelbarer\". Dennoch hat man es in der Gesamtheit mit einem absolut normalen Placebo-Album zu tun. Und da der ästhetische Rahmen eines solchen ja sehr ausdefiniert daherkommt, bricht man die große Erwartungshaltung schnell darauf runter, ob denn genug gute Songs drauf sind. Und hier profitiert man dann von der so genannten Normalität (was das auch immer heißen mag für so sexy Druggy-Schönlinge wie Molko). Und es besteht kein Zweifel: Klar. Es gibt was zum Anstreichen, vieles zum Abfeiern. Sei es das Duett auf dem Titelstück \"Meds\" (mit VV von den Kills) oder \"Broken Promise\" mit dem anderen Schönling, dem kahlen, also mit Michael Stipe. Auch die erste Single \"Song To Say Goodbye\" hat alles, was ein geil abgelieferter Placebo-Song haben muss. Tja, und das elektronische Album? Das kommt dann halt das nächste Mal. Im Sinne von: garantiert nicht. Aber egal. Neu erfinden müssen sich eh nur die, deren alte Ichs sich immer so schnell abnutzen. Genau: Madonna und Alexander Klaws.



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