BEWERTEN
 

The Streets

»The Hardest Way To Make An Easy Living«

[679 / Warner / VÖ: 07.04.2006 ]

Text: T.L. Renzsche, T.L. Renzsche

Wenn Künstler andeuten wollen, dass sie eigentlich mittlerweile ausgebrannt und öde sind, tun sie das über einen kleinen Umweg. Sie weisen auf den Schuldigen (die Maschine) hin und seufzen: \"Platte, Tour, Platte, Tour, Platte, Tour.\" Ein Wunder, dass es Mike Skinner noch nicht erwischt hat. Denn der fährt auch ganz schön mit im Rhythmus des Betriebs. Und dennoch, fast so pünktlich, um die Uhr danach zu stellen, veröffentlicht er nun nach zwei Jahren wieder ein neues Album. \"Original Pirate Material\" und \"A Grand Don't Come For Free\" gelten als rechtmäßige Legenden, prägten ganze Genrebegriffe, und in ihrem Fahrwasser entstand auch ein Skinner-eigenes Label.

Abgenutzt wird sich woanders. Was das neue Album auch gleich unter Beweis stellt, indem es mit drei kompletten Überknallern eröffnet. Respekt. Danach nimmt der immer noch arg junge Skinner das Tempo raus, schließlich kann man ja nicht konstant rennen, und Höhepunkte zeichnen sich auch erst dadurch als Höhepunkte aus, wenn eine gewisse Ruhe als Basis herrscht. Auf dieses dramaturgische Konzept greift das Album dann auch zurück, um den Zuhörer nach dem Bretteinstieg wieder etwas zu entspannen. Schließlich sind Streets-Platten ja eben auch für Mellowness bekannt - bisschen Chillen, bisschen Relaxan in den Kaffee der eigenen Hektik schütten. Ansonsten trifft man natürlich ähnlich Bekanntes: Skinner quatscht, schimpft und rappt über seine Backingtracks, ganz der entfesselte Engländer mit dem großen Maul, der die Lektionen \"Ami-Rap\" und \"Soundsystemkultur Londoner Gangart\" verinnerlicht hat. Wobei er sich letztlich ganz bewusst als Member des sonst immer ein wenig belächelten Phänomens British Rap sieht. Skinner jedenfalls denkt Ideen, Sounds und Styles der Mitchell Brothers, von Kano, Sway, Professor Green weiter. Und statt auf Hyper- und Vulgär-Kapitalismus des Ami-Bling-Blings setzen die Streets auf Community und Austausch - nachhören kann man das in dem Stück \"Two Nations\".
Insgesamt betrachtet ist der Sound diesmal übrigens einen Funken minimaler angelegt, sodass die Stimme noch mehr im Vordergrund steht, dass man noch mehr den lakonischen Prediger in Skinner wahrnimmt. Hingewiesen sei zudem auf das Stück \"When You Wasn't Famous\" - dort verliert Skinner diverse Worte über seine Beziehung zu Tatia Starkey, der Enkelin des Beatles-Schlagzeugers Ringo Starr. Nichts ist heilig, alles passt auf den Beat. So kann's gehen.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.