The Flaming Lips
»At War With The Mystics«
[Warner / VÖ: 31.03.2006 ]
Text:
Joachim Schaake,
Joachim Schaake
Nach der Doku \"The Fearless Freaks\", dem wohl besten Film, der jemals über eine Band gemacht wurde, kann man die Überband The Flaming Lips eigentlich nur noch verklärter als ohnehin schon wahrnehmen. Schließlich wird in diesem Werk noch einmal deutlich, dass Wayne Coyne der wahrscheinlich beste und netteste Mensch dieser Welt ist. Gleichzeitig wurde ihr Schaffen seit dem Überalbum \"The Soft Bulletin\", ihrem \"Pet Sounds\", von Popmusik-Liebhabern ähnlich begleitet wie das der Post-\"Pet Sounds\"-Beach-Boys: anfangs mit völlig überhöhter Erwartungshaltung, dann, als man merkte, dass sich wohl kaum jemals wieder eine derart hohe Dichte an genialen Ideen auf einem einzigen Album bündeln würde, wurde diese Erwartungshaltung auf ein gesundes Niveau abgesenkt, und seitdem kann man sich wieder ganz einfach an schönen neuen Songs erfreuen.
Bei \"Yoshimi Battles The Pink Robots\", Album Nr. 1 nach \"The Soft Bulletin\", merkten viele Fans, dass ihre Ansprüche trotz oder gerade wegen dessen ansteckender Freundlichkeit und Unbeschwertheit nicht befriedigt werden konnten. Es fehlten die Verbindlichkeit, die Dringlichkeit, die zuvor noch im Überfluss vorhanden waren. Dazu kamen die teils etwas lahmen, zu elektronisch geratenen Arrangements, die leider fast den Eindruck hinterließen, die Lips und ihr begnadeter Produzent Dave Fridmann hätten so ein bisschen den Anschluss verpasst. Doch im Nachhinein macht auch diese Platte, wenn man sie quasi als Entspannungsphase der Band betrachtet, natürlich Sinn.
Auf \"At War With The Mystics\" geht es deutlich verjüngt zur Sache. Der Opener \"The Yeah Yeah Yeah Song\" erinnert stilistisch an die Hits der \"Transmission From The Satellite Heart\"-Ära, anstelle drogengeschwängerter Quatschtexte rücken jedoch handfeste politische Statements. Wem das zu platt oder plakativ geraten ist, dem sei noch einmal die eingangs erwähnte Doku empfohlen, die in einigen Szenen schön verdeutlicht, dass die Flaming Lips keineswegs eine homogene linksliberale Indie-Zielgruppe bedienen. Als so etwas wie das Herzstück der Platte lässt sich \"My Cosmic Autumn Rebellion\" bezeichnen. Es enthält alle musikalischen Elemente, die \"Soft Bulletin\"-Songs so wunderbar werden ließen: große Pink-Floyd-, 70s-Soul- oder Beach-Boys-Momente, die dann noch mit dem plötzlich einsetzenden sägenden Trademark-Bass und einer völlig übersteuerten Orgel gekrönt werden. Überhaupt steht die gesamte Platte in ihrer Soundästhetik und den Arrangements fast ganz im Zeichen des 70er-Jahre-Rock. Seien es die krachigen Led-Zeppelin-Beats, die markanten Gitarrenriffs, Prog-Rock-Wucherungen oder elektronisch verfremdete Chöre.
Zum Abschluss des Albums ertönt mit \"Goin' On\" eine vergleichsweise schlichte, aber ungemein wirkungsvolle Hymne, die wieder einmal über all das Elend dieser Welt hinwegtröstet, Mut macht und selbstverständlich die Vorfreude auf kommende musikalische Erlebnisse mit den Flaming Lips weckt.
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