BEWERTEN
 

Anja Garbarek

»Briefly Shaking«

[Virgin / Emi / VÖ: 24.03.2006 ]

Text: Hendrik Kröz, Hendrik Kröz

Wäre doch gelacht, wenn sich Anja Garbarek nicht von leidigen Björk- und Kate-Bush-Vergleichen freischwimmen könnte. Natürlich ist sie eine eigenwillige Stimme im Popzirkus, und eine herausragende Songwriterin und Komponistin, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Das stellt Garbarek mit ihrem vierten Album, das sie in Verbund mit Gisli Kristjansson und ihrem berühmten Vater arrangiert und produziert hat, eindringlich unter Beweis. Wer \"Smiling & Waving\", den fragilen Vorgänger von 2001 mit Gastauftritten von Robert Wyatt und Mark Hollis noch im Ohr hat, sollte die Lautstärke für \"Briefly Shaking\" vorsorglich runterpegeln, denn nach dem zarten Intro geht es hier weitaus entschiedener zur Sache: \"Dizzy with wonder I shake my head to clear the view\", croont sie im Duett mit einer aggressiven Metalgitarre, um bei \"The Last Trick\" einen kleinen Gang zurückzuschalten - spätestens hier herrscht Ohrwurm-Alarm.

Hin und her geht es auf \"Briefly Shaking\", zwischen stillen Momenten und opulent instrumentierten Stücken wie \"Shock Activities\" - Garbarek hat die Rock-und-Pop-Klaviatur fest im Griff und baut doch immer wieder überraschende, gerne auch mal schräge Zwischentöne ein. Weil das Airplay-Potenzial bei Nummern wie \"This Momentous Day\" und \"My Fellow Riders\" fast schon erdrückend ist, freut man sich, wenn am Ende die balladesken Momente gewinnen und in schlichten Stücken wie \"Sleep\", \"The Last Trick\" oder \"Can I Keep Him?\", inspiriert von einem Buch über den Serienmörder Dennis Nielsen, der große Charme von Garbareks Gesang zum Tragen kommt. So knallbunt die Musik auch ist - die Lyrics von Anja Garbarek operieren in finsteren Bereichen: \"Sleep\" z. B. erzählt von der misslichen Situation, lebendig begraben zu sein. Welche Strategie steckt dahinter? Zwei Fragen:

Deine oft düsteren Texte stehen ja in ziemlichem Gegensatz zu dem fröhlichen, positiven Sound. Was reizt dich an dieser klassischen Dichotomie?
Genau, das ist eine sehr klassische Herangehensweise, die sich für mich ergab wie für tausende Künstler zuvor. Und auch für mich birgt das Treffen von Gegenteilen etwas Magisches.
Würdest du dich selbst als eine ironische Person beschreiben?
Ach, ich nutze so selten Ironie, es wäre quasi ironisch, mich jetzt hier ironisch zu nennen. Ich kenne einige Leute, denen ich dieses Label anheften würde, aber die haben sehr wenig mit mir gemein.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.