BEWERTEN
 

Jane Birkin

»Fictions«

[Capitol / Emi / VÖ: 23.03.2006 ]

Text: Barbara Schulz, Barbara Schulz

\"Wenn sie mich eines Tages mit den Füßen nach vorn aus dem Haus tragen, werden sie höchstwahrscheinlich 'Je T'Aime' dazu spielen. Aber was soll's, das ist auch okay!\" seufzte kürzlich Jane Birkin, Ex-Fan der 60s und auf ewig und drei Tage mit jener Ballade und deren Schöpfer, dem genialischen Saufbold Serge Gainsbourg, verbandelt. Jener ist nun auch schon fast 15 Jahre unter der Erde, und Jane Birkin hat spätestens seit 2004 alles daran gesetzt, diesem Stöhn-Schatten zu entfleuchen. Damals kam \"Rendez-vous\" heraus, ein recht schönes, aber unentschiedenes Album voller englischer und französischer Songs von diversen Autoren, gesungen von Birkin und diversen Duettpartnern.

Nun also \"Fictions\", eine viel entspanntere und überdies sehr persönliche Platte, bei der wie schon bei \"Rendez-vous\" der französische Superproduzent Renaud Letang und der kanadische Exil-Pariser Gonzales, der seine Berliner Entertainer-Haut zugunsten wunderbar sensibler Pianoarbeiten abgestreift hat, Hand anlegten. Und sogar noch ein berühmter Herr, den man sofort zu Anfang und danach noch öfter hört, nämlich Ex-The-Smiths-Gitarrengott Johnny Marr, der sämtliches Liedgut mit seinen perlenden Gitarrenfiguren veredelt hat. Als Autoren wirkten u. a. Rufus Wainwright, die Magic Numbers, Dominique A und wie schon bei \"Rendez-vous\" Beth Gibbons mit. Und schon beim ersten Hören von \"Fictions\" kann man nur bewundernd den Hut ziehen, denn so entspannt und schön wie auf diesen Aufnahmen hat man Jane Birkin noch nie singen gehört. Hochgradig suchtgefährdend ist der Frühjahrs- und Sommerhit \"Living In Limbo\", den Gonzales komponiert und getextet hat und den Frau Birkin mal leichtfüßig singt, mal mit ungewohnt tiefer Stimme souverän und sexy spricht. Dagegen fallen zwei der französischen Beiträge doch gehörig ab. Weitere Anspieltipps: eine ganz wunderbare Cover-Version von Tom Waits' \"Alice\" und das kleine, aber feine Goodie ganz am Schluss. Da spielt Gonzales, dem Birkin übrigens Ähnlichkeiten mit Gainsbourg attestiert (da ist er also doch wieder, ts ts ...), Maurice Ravels \"Pavane Pour Une Infante Défunte\", und Birkin liest darüber einen Text von Hervé Guibert. Zum Niederknien. Ähnlich wie ihr Auftritt letztens im französischen Fernsehen mit Franz Ferdinand. Seufz. Hoffen wir, dass sie auch uns live beehrt!



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