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S.Y.P.H.

»-1«

[Pure Freude / Indigo / VÖ: 05.05.2003 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Vor dieser Platte habe ich mich gefürchtet. Habe sie hin- und hergeschoben, mich gesträubt, sie aufzulegen. Eine erste neue S.Y.P.H.-Platte seit 1993. Da kommt mir erst einmal das halbgare, nicht wirklich zwingende Fehlfarben-Comeback in den Sinn. Von DAF, Witt und der ganzen anderen Armee der reitenden Leichen ganz zu schweigen. Zu einzigartig steht das S.Y.P.H.-Oeuvre der frühen 1980er wie ein Monolith für die richtige Musik zur richtigen Zeit, für eine Verweigerung auf ganzer Linie, vom wütenden \"Zurück Zum Beton\"-Gestus bis hin zum trotzigen Dilettantismus, der sie nicht davon abhielt, ab einer gewissen Phase wie Can klingen zu wollen und daran würdevoll zu scheitern.

Dass alle Bands der Welt ein Recht haben, sich jederzeit neu zu formieren, ohne sich an einer früheren Phase messen zu müssen, steht außer Frage. Was zählt, ist einzig und allein das musikalische Ergebnis. Und das ist im Fall von S.Y.P.H. eher Furcht erregend geworden. Es ist schon ein Drama, mit anhören zu müssen, wie Harry Rag auf \"Rausländer\" den ganzen braunen Brei deutscher Pop-Herrenmänner ironisiert und dabei doch zugleich wie das klingt, was er da durch den Kakao ziehen will. Ganz gleich, ob Reggae, kitschige Akustikballade oder gar an Gothic mahnende Keyboards - S.Y.P.H. ist es unfreiwillig gelungen, einerseits völlig anachronistisch zu klingen, nämlich so, als sei seit Mitte der 1980er gar nichts mehr in der Musik passiert, und andererseits alle Fehler ihrer ebenfalls aus den 1980ern wieder aufgetauchten Kollegen zu wiederholen. Prätentiös, dunkel, unwitzig und überanstrengt klingt hier deutscher Pop in etwa so, wie Udo Kier das in Gus van Sants \"My Own Private Idaho\" persifliert hatte - nämlich wie eine abgelehnte Bewerbung beim Staatstheater.



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