BEWERTEN
 

Eine Oliver Twist Kooperation

»Tausend Kleine Tänze«

[Rewika / Al!ve / VÖ: 27.01.2006 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Wenn Bands neben hippem Disco-Rock, Asthma-Stylomat-Rhythmen und New-Wave-Gitarren-Brückenköpfen auch noch subversiv sein wollen, ist das immer ein Stück weit eklig. Denn der rebellische Gestus gehört zwar zum Szenario dazu, bedeutet aber natürlich gerade durch seine Warenförmigkeit das genaue Gegenteil seiner selbst. Schlecht muss diese Diskrepanz im Ergebnis dabei nicht mal klingen. Den Acts steht es in jedem Fall besser zu Gesicht, ihre Subversions-Revue ironisch zu brechen. Denn wer sich selbst in dieser Zeit von Rock und Gesellschaft für einen Pop-Revoluzzer hält, nur weil er den Kobold-Wave der Stunde spielt und seine Band mit \"The\" oder ähnlich beginnt, der sieht gleich mal halb scheiße aus.

Nur ganz wenigen Acts überhaupt traut man zu, sich im Rahmen dieser Soundästhetik tatsächlich noch subkulturell positionieren zu können. Einer davon ist sicher die Oliver Twist Band von dem beliebten Kölner Deutschlandhasser Thomas Mahmoud. Aus dem Namen The Oliver Twist Band ist offensichtlich das \"Band\" rausgeflogen und durch diese Kooperationsnummer ersetzt worden. Ein Zeichen für offene Strukturen, projekthaftes Arbeiten jenseits der Rockerrente-Reflexe anderer Acts. Bei Mahmoud und Co. laufen die eigenen Aktivitäten dagegen Affekt-orientiert. Danke. Selbst wenn durch diese Policy der Von-Spar-Fortbestand nicht als sicher gelten darf. Als ich Mahmoud Ende der Neunziger zum ersten Mal traf, trug er schon seine abgeschmackte Kappe, und die Kulisse war die Uni-Mensa. Florian Opitz von dem Roter-Faden-Fanzine Plot stellte uns vor, und beide meckerten damals, weiß ich noch, über die Get Up Kids. Dass deren Zuckerguss-Sound doch all den wirklich relevanten HC-Bands den Aufmerksamkeitsstrom abstelle. Auf diese Problemstellung, dass Interessanteres zugunsten von Griffigerem untergeht, reagieren auch \"Tausend Kleine Tänze\". Die hektische Ansprache ist so full-frontal poppig, dass sie damit allein schon mal alle plus den Pöbel einsammeln können. Die Texte darauf geben sich wieder markig, clever - aber auch ihrer kurzen Brenndauer bewusst. Daher werden sie wohl auch so gebrüllt. Es muss schnell gehen. Sonst wird man abgeknallt. Von der Selbstkritik, von der eigenen Idee. Mach das alles mal nach, was hier drauf so geht. Wenn es den linken Dancefloor gäbe, dann wäre er das hier.



Artikel kommentieren
aus Intro #136 (März 2006)
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •