BEWERTEN
 

Guitar

»Tokyo«

[Onitor / Hausmusik / VÖ: 05.11.2001 ]

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Mit \"Flow\" beschrieb der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi einmal die zutiefst erfüllende Erfahrung, vollkommen in einer Tätigkeit aufzugehen. Wer das Gefühl selbst kennt, weiß auch, dass der Begriff dieses nur unvollkommen beschreibt. Aber ich glaube, man merkt den Flow auf dieser Platte ganz deutlich. Man spürt etwas von der Konzentration und dem Enthusiasmus, die Michael Lückner, ehemaliges Mitglied der Kölner Computerjockeys, hier geleitet haben mögen. Was vielleicht daran liegt, dass \"Tokyo\" nach Lückners Aussage sehr schnell entstanden ist. Aufgenommen im Herbst 2004, spiegeln die neun Tracks die Erfahrungen und Eindrücke eines zweiwöchigen Tokio-Aufenthalts wider. Die Japan-Faszination, die man ja bereits im leichtfüßigen Pop-Entwurf der Computerjockeys erkennen konnte, drückt sich hier klanglich in Samples japanischer Saiteninstrumente wie Pipa und Koto aus.

Statt auf den von My Bloody Valentine inspirierten Wall-Of-Sound-Ansatz des ersten Guitar-Albums verlegt sich Lückner nun wieder auf das Schichten wunderbar poppiger Melodien, die aber immer eine charmante Zurückhaltung besitzen. Unterstützt wird er dabei von der japanischen Sängerin Ayako Akashiba, die bereits auf mehreren seiner Alben auftrat, diesmal aber gleich drei Stücke mit geschrieben hat. Das programmatische \"Tokyo Memory\" zeigt zum Beispiel, wie beide mit traumwandlerischer Sicherheit durch die Verzahnung schlichter Loops eine Atmosphäre sanften Dahingleitens erzeugen. Unter der angenehm aufgeräumten Oberfläche spürt man dabei immer deutlich eine Euphorie und Sehnsucht, die nur darauf wartet, aufzubrechen und Knospen zu schlagen.



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